Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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drängung  der  älteren  handwerksmäßigen  Betriebe  durch  die  neuen  mit
moderner  Technik  arbeitenden  Unternehmungen.
Der  äußere  Markt  dehnte  sich  durch  den  wachsenden  Austausch  von
Waren  gegen  Waren,  teils  eine  Folge  des  heimischen  Bedarfs  an  Rohstoffen
und  Nahrungsmitteln,  teils  hervorgerufen  durch  die  Überlegenheit  der
Industrie,  durch  die  Seeherrschaft  und  den  Kolonialbesitz  Englands;
er  weitete  sich  infolge  der  Wirksamkeit  der  englischen  Kapitalien  im
Auslande.
So  wurde  der  Raum  geschaffen,  auf  dem  sich  nicht  nur  das  Gewerbe,
sondern  das  ganze  Wirtschaftsleben  unter  der  Flagge  der  Freiheit  entfalten
konnte.  Formell  blieben  die  Zünfte  und  die  älteren  Beschränkungen  des
Gewerbebetriebes  noch  bis  ins  19.  Jahrhundert  bestehen.  1814  wurde
zuerst  ein  Gesetz,  das  aus  dem  Jahre  1562  stammte  und  die  Arbeitsverhältnisse ­
  regelte,  aufgehoben  und  erst  1835  folgte  die  Abschaffung  der
Vorrechte  der  Zünfte.  Praktisch  hatten  diese  Bestimmungen  längst  ihre
Wirksamkeit  eängebüßt,  sie  wurden  schon  im  18.  Jahrhundert  auf  die  neu
entstandenen  Industrien  nicht  angewendet,  und  man  ließ  es  geschehen,
wenn  sie  auch  bei  jenen  Betrieben  nicht  berücksichtigt  wurden,  für  die
sie  seinerzeit  erlassen  worden  waren 1 ).
Anders  vollzog  sich  der  Umschwung  in  Deutschland.
Preußen  führte  1810  und  1811  die  Gewerbefreiheit  unter  heftigem  Widerspruch ­
  der  Zünfte  und  Stadtverwaltungen  ein  und  eilte  damit  der  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  zum  Teil  weit  voraus.  Nur  einige  kleinere
Staaten  folgten  zunächst  dem  preußischen  Beispiel.
Auch  Deutschland  hat  eine  außergewöhnliche  Bevölkerungszunahme
zu  verzeichnen.  Die  Einwohnerzahl  wuchs  ständig  von  1816—1910  von
24,8  auf  64,9  Millionen.  Bis  in  die  70er  Jahre  ernährte  die  deutsche  Landwirtschaft ­
  die  wachsende  Bevölkerung  fast  allein.  Das  war  nur  möglich,
wenn  die  bewirtschafteten  Flächen  auf  die  weniger  fruchtbaren  Böden
ausgedehnt  wurden  und  sich  der  Übergang  vom  extensiven  zum  intensiven
und  rationelleren  Betrieb  vollzog.  Dieser  Umschwung  hatte  zur  Voraussetzung ­
  die  Beseitigung  der  aus  dem  Mittelalter  überkommenen  agrarrechtlichen ­
  Zustände  durch  die  Agrarreform  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts. ­
  Aber  erst  ganz  allmählich  setzte  sich  die  neue  Technik  der
landwirtschaftlichen  Produktion  durch.  Noch  bis  in  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  herrschte  die  alte  Dreifelderwirtschaft  vor 2 ).  Der  Übergang  zur
Stallfütterung  wurde  eben  vollzogen.  Die  Verwendung  des  künstlichen

l )  Philippovich,  Grundriß  der  politischen  Ökonomie  1909  II.  Bd.  I.  Teil
S.  137.
9  Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus  Bd.  II  S.  102.
            
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