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sumenten oder Händlern aufgenommen und ihr die gesamten Mehrkosten
der Verarbeitung und Bereitstellung ersetzt werden. Die Veredlungs
industrie und, aus ähnlichen Gründen, der Handel werden versuchen einen
Teil des Reichtumzuwachses festzuhalten, um mindestens ihre Kosten
zu decken. Sie werden um so vorteilhafter abschneiden, je kaufkräftiger
die Konsumenten in der Zwischenzeit, bis das Mehrprodukt sie erreicht,
geworden sind. Woher dieses Steigen der Kaufkraft kommt, wird sich
gleich zeigen. Zunächst müssen Veredlungsindustrie und Handel einen
Teil des Reichtumplus an alle diejenigen weiter geben, die ihnen bei der
Verarbeitung und Bereitstellung des Mehrproduktes helfen: an die Trans
portgewerbe, Arbeiter und Kapitalverleiher. Nehmen wir zunächst ein
mal an, die vorhandenen Verkehrs- und Produktionsanlagen reichten aus,
auch den Zuwachs der Füllernte zu bewältigen. Das ist nur möglich, wenn
die Anlagen bisher nicht bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit ausge
nutzt waren. Es gehen demnach von der intensiveren Ausnutzung der
vorhandenen Anlagen — abgesehen davon, daß auch die Industrien ihre
Erzeugungen ausdehnen müssen, die die übrigen zum Produktionspro
zesse nötigen Rohstoffe und Hilfsmittel wie z. B. Kohle liefern — zwei
Wirkungen aus. Einerseits erzwingt die intensivere Ausnutzung eine
Lohn- und Diskonthausse, andererseits bewirkt sie eine Produktivitäts
steigerung, also einen neuen Zuwachs an Reichtum und Kaufkraft.
Die intensivere Beschäftigung der vorhandenen Arbeiter während
der üblichen Arbeitszeit, das Einlegen von Überstunden und Nachtschicht
hebt den Verdienst des Arbeiters. Da die vorhandenen Kräfte nicht aus
reichen, müssen neue herangezogen, aus irgendeiner anderen Beschäfti
gung herangelockt werden, was nur durch eine Lohnsteigerung möglich
ist. Im Verkehrsgewerbe und in den die Füllernte verarbeitenden In
dustrien ziehen die Löhne an. Um die gesamten Mehrkosten vorläufig
bis zur Bezahlung der Ernte oder des Transportes oder des fertigen Pro
duktes auslegen zu können, bedürfen Landwirtschaft, Verkehrsgewerbe,
Industrie und Handel ein Plus an Betriebskapital. Zwar ist es größtenteils
nicht nötig diese Kapitalien anderen Beschäftigungen zu entziehen, da
dort, wo ein geordnetes Bankwesen, Noten- und Scheckverkehr herrscht,
die Banken nach dem Prinzip der gegenseitigen Verschuldung Kredit ge
währen 1 ). Die stärkere Inanspruchnahme des Bankkredits ruft aber
schließlich ein Anziehen des Diskonts hervor. So fließt also auf allen
Etappen der Zuwachs an Reichtum und Kaufkraft weiter in die Hände
h Eine klare Darstellung der Kreditgewährung nach dem Prinzip der gegen
seitigen Verschuldung gibt Hartley Withers, Geld und Kredit in England, über
setzt von Patzauer 19x1 S. 21 ff. und 6off.