Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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Streik  dem  allgemeinen  Tabakarbeiter-Verband  direkt  an.  Die
Beteiligung  am  Verband  ist  jetzt  jedoch  infolge  einiger  taktischer  F  ehler,
die  nach  dem  Streik  von  dem  damaligen  Vertrauensmann  des  Tabakarbeiter-Verbandes
  in  Dresden  gemacht  wurden,  und  infolge  innerer
Zwistigkeiten,  die  nach  Beendigung  des  Ausstandes  in  der  Dresdener
Abteilung  des  Tabakarbeiter-Verbandes  vorkamen,  nicht  mehr  so
stark  wie  im  Jahre  1905.  Gegenüber  50—60  Proz.  in  letzterem
Jahre  sind  heute  nur  noch  20—30  Proz.  aller  Dresdener  Zigarettenarbeiter ­
  und  -arbeiterinnen  Mitglieder  des  Tabakarbeiter-Verbandes.
Bemerkt  werden  soll  noch,  daß  sich  die  Mitgliedschaft  am
Tabakarbeiter-Verband  nur  auf  die  Zigarettenmacher  bez.  -macherinnen ­
  erstreckt.  Die  anderen  in  Zigarettenfabriken  beschäftigten
Arbeiterkategorien  gehören,  soweit  organisiert,  der  jeweils  in  Frage
kommenden  besonderen  Berufsorganisation  an,  so  die  Kartonnagenarbeiter
  der  Buchbinder-  und  die  Schlosser  der  Metallarbeiterorganisation. ­


F.  Die  Heimarbeiter.
Nachdem  wir  mit  vorstehender  Betrachtung  die  Darstellung
der  Lage  der  Fabrikarbeiter  zu  einem  gewissen  Abschluß  gebracht
haben,  bleibt  uns  nun  nur  noch  ein  Eingehen  auf  die  speziellen
Verhältnisse  der  Heimarbeiter  übrig.
Wie  schon  an  anderer  Stelle  erwähnt  wurde,  wird  die  Heimarbeit ­
  zum  größten  Teil  von  verheirateten  Frauen  ausgeführt,
für  die  diese  Beschäftigung  nur  einen  Nebenerwerb  bildet.  Da
diese  Personen,  um  überhaupt  Arbeit  zu  erhalten,  sehr  geringe
Lohnforderungen  stellen,  so  ist  es  nicht  zu  verwundern,  daß  der
Lohn  der  Heimarbeiterinnen  durchweg  bedeutend  niedriger
als  der  der  Fabrikarbeiterinnen  ist.
So  zahlt  man  ihnen  für  das  Drehen  von  tausend  Zigaretten  in
Dresden  gewöhnlich  nur  1,60—1,80  Mk.  und  in  Berlin,  Hannover ­
  und  Hamburg  1,80—2,00  Mk.  Noch  niedriger  sind  die  Löhne
der  Heimarbeiterinnen  im  Osten  Deutschlands,  wo  dieselben  in
Breslau  und  Posen  nur  1,10—1,70  Mk.  und  in  Königsberg
nach  den  Angaben  Käthe  Kaliskys  *)  gar  nur  0,90—1,30  Mk.  für
das  Anfertigen  von  tausend  Zigaretten  erhalten.
Aus  diesen  Angaben  kann  man  ersehen,  daß  der  Verdienst
der  Heimarbeiterinnen  äußerst  gering  ist,  zumal  wenn  man  bedenkt,
daß  schon  eine  Fabrikarbeiterin,  die  sich  ungestört  ihrer  Arbeit

1)  Dr.  Käthe  Kalisky:  Die  Hausindustrie  in  Königsberg  in  Preußen.  Leipzig  1907.
            
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