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Artikel einführen will, zum Teil aber auch eine Folge der sich rasch
mehrenden Konkurrenz 1 )-
Neben der Lafermefabrik waren bald andere leistungsfähige,
wenn auch nicht so große Unternehmungen derselben Art am
gleichen Platze entstanden; denn schon hatte Dresden durch die
Reklame der Compagnie Laferme als Zigarettenproduktionsstätte
einen gewissen Ruf in Deutschland erlangt, den sich auch die Neu
gründungen zu Nutze machen wollten. Es bestanden am dortigen
Platze im Jahre 1876 schon neun 1 2 ), im Jahre 1880 gar einund
zwanzig 3 ) Zigarettenfabriken, die zusammen beinahe 2 /3 der damaligen
deutschen Gesamtproduktion (etwa 180 Millionen Stück) herstellten.
Alle anderen Betriebe, die damals in Deutschland sonst noch be
standen, waren gänzlich ohne Bedeutung und zumeist Nebenbetriebe
von Rauchtabakfabriken.
Da Dresden somit die Hauptproduktionsstätte für Zigaretten in
Deutschland war, ließ sich hier auch bald aus naheliegenden Zweck
mäßigkeitsgründen nach und nach eine größere Anzahl von Im
porteuren für türkische Rohtabake nieder; zudem bildeten sich am
gleichen Orte Hilfsindustrien — Kartonnagefabriken, Lithographische
Anstalten usw. — und ein Stamm von Zigarettenarbeiterinnen aus.
Alle diese Momente wirkten kostenersparend und betriebserleichternd
auf die Dresdener Zigarettenfabrikation ein und begünstigten
wiederum die Niederlassung neuer Zigarettenfabriken am dortigen
Platze. Die Konzentration der deutschen Zigarettenindustrie in
Dresden machte deshalb mit der Zeit immer weitere Fortschritte.
B. Der Aufschwung.
Obwohl sich die Zahl der Betriebe, die Produktion und der
Konsum von Jahr zu Jahr stark vermehrten, blieb doch der Tabak
genuß in Form der Zigarette in Deutschland gegenüber den an
deren Arten des Tabakgenusses bis Anfang der neunziger Jahre
nur wenig verbreitet. Eine Änderung hierin wurde erst durch die
1) In dem Berichte der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden für die
Jahre 1877—80 wird von einer „enorm gestiegenen Konkurrenz, die außer Ver
hältnis zum inländischen Konsum steht“, gesprochen.
2) Bericht der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden für die Jahre 1872
bis 1876. (In der Tabelle, Anlage II, Seite 12 ff. des Berichtes der Tabak-Enquete-
Kommission, die den Stand von 1877 veranschaulichen soll, sind nur zwei Zi
garettenfabriken für Dresden angegeben; offenkundig liegt hier ein Versehen vor,
denn auch in dem Berichte der Dresdener Bezirkskommission, Seite 7, ist bemerkt,
daß es im Jahre 1877 9 Zigarettenfabriken in Dresden gegeben habe.
3) Bericht der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden für die Jahre 1877—1880.