Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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sowie  durch  vermehrte  Verwendung  von  Maschinen  einen  Teil  der
Steuerunkosten  wieder  herauszuschlagen.  So  werden  die  1-  und
1  V'2  Pfg.-Zigaretten,  die  früher  noch  vielfach  mit  der  Hand  angefertigt ­
  wurden,  heute  fast  ausschließlich  mit  Maschinen  hergestellt.
Der  schon  früher  an  diesen  billigen  Fabrikaten  sehr  geringe  Gewinn
würde  heute  bei  Handanfertigung  durch  den  Steuerbetrag  und  die
darüber  hinaus  entstehenden  Unkosten  für  Entwertung,  Zerschneiden,
Verkleben  und  Kontrollieren  der  Banderolen  (etwa  10—-15  Prozent
des  eigentlichen  Steuerbetrages)  zum  größten  Teil  absorbiert  werden.
Wiederum  also  eine  Schädigung  der  kleineren,  maschinenlosen  Betriebe, ­
  denen  die  Anfertigung  dieser  viel  begehrten  Preislagen  so
gut  wie  unmöglich  gemacht  worden  ist!
Um  an  Arbeitslöhnen  zu  sparen,  haben  ferner  einige  Großbetriebe ­
  nach  Einführung  der  Banderolensteuer  Zweigfabriken  in
kleineren  Orten,  in  denen  billige  Arbeitskräfte  zu  finden  waren,
errichtet.  So  erfolgte  seitens  Dresdener  Zigaretten-Fabrikanten  die
Errichtung  von  Filialbetrieben  in  Löbau  (1;76)  1 )  und  den  in  der
Nähe  Löbaus  gelegenen  Orten  Bernstadt  (3;27),  Oderwitz  (4;76),
Cunersdorf  (10;90),  Großhennersdorf  (2;  18),  ferner  in  Halsbrücke  bei
Freiberg  (3;  154)  in  Hohenleibisch  und  Elsterwerda 1  2 ).  Von  einem
Berliner  Zigaretten-Großfabrikanten  wurde  ein  Filialbetrieb  in
Schneidemühl  (Posen)  errichtet.
Etwa  die  Hälfte  des  eigentlichen  Steuerbetrages  trägt  der  Händler.
Er  kauft  heute  durchschnittlich
eine  1  —  1  ’/2  Pfg.-Zigarette  um  1  Mark  pro  Mille,
»  2—3  7  •>  „  „  „  2  „  „  „
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teurer  als  vor  Einführung  der  Banderolensteuer 3 );  sein  Verdienst
am  einzelnen  Stück  hat  sich  verringert.
Zudem  ist  er  in  seiner  Bewegungsfreiheit  beschränkt  worden,
denn  er  darf  heute  die  Zigaretten  nur  zu  dem  Preise  verkaufen,
1)  Die  Angaben  beruhen  auf  freundlichen  Mitteilungen  des  Vorstandes  der
Dresdener  Verwaltungsstelle  des  Tabak-Arbeiterverbandes.  Die  Zahlen  in  den
Klammern  geben  an,  wieviel  Personen  in  den  betreffenden  Orten  im  Herbst  1908  mit
Zigarettenmachen  beschäftigt  waren,  und  zwar  gibt  die  erste  Ziffer  die  Zahl  der
männlichen  und  die  zweite  die  der  weiblichen  Personen  an.
2)  Eine  Dresdener  Zigarettenfabrik  besitzt  noch  einen  Filialbetrieb  in  Gaising-Altenberg
  |in  der  Nähe  von  Glashütte),  in  dem  im  Herbst  1908  60  Personen  beschäftigt ­
  waren.  Dieser  Betrieb  ist  jedoch  schon  vor  Einführung  der  Banderolen
Steuer  und  zwar  auch,  um  Lohnersparnisse  zu  erzielen,  angelegt  worden.
3)  Vgl.  hierzu  auch  dieTabelle  auf  Seite  64/65,  wo  die  Fabrikpreise  angegeben  sind!
            
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