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zu dem sie vom Hersteller versteuert worden sind. Ein kleiner Spiel
raum bei der Preisfestsetzung ist ihm jedoch innerhalb der Grenzen
der Steuerklassen gelassen; so kann er z. B. eine ihm vom Fabri
kanten als 2 Pfg.-Qualität gelieferte und dementsprechend versteuerte
Marke mit 2 ’/2 Pfg. verkaufen, da letztere Preislage derselben Steuer
klasse wie die 2 Pfg.-Zigarette angehört.
Der Händler — und zwar nur dieser, nicht der Hersteller —
ist freilich befugt, den Zigarettenpackungen Zuschlagsbanderolen
umzulegen und dann den Kleinverkaufspreis zu erhöhen (A. B. § 13).
Solche mit Zuschlagsbanderolen versehene Zigarettenpackungen
läßt sich der Konsument aber gewöhnlich nur beim Kauf von
Zigaretten in Vergnügungsetablissements usw., nicht aber in Tabak
läden gefallen, denn er erkennt daran sofort, daß er die Fabrikate
über ihren Wert bezahlen muß.
Arbeiterentlassungen als Folge des Zigaretten-Steuer-
gesetzes kamen wohl in der allerersten Zeit nach Einführung des
selben vor; sie sind aber in der Hauptsache der vor Einführung
des Gesetzes erfolgten Überproduktion zuzuschreiben. Diese war
durch gewaltige Ankäufe der Händler veranlaßt worden, die sich
vor Inkrafttreten des Gesetzes (1. VII. 06) noch mit möglichst großen
Warenposten versehen wollten, da ihnen ein zweimonatlicher, steuer
freier Verkauf ihrer Vorräte gestattet worden war.
Während in den letzten fünf Jahren vor Einführung der Ban
derolensteuer nach den Berichten der Tabak-Berufsgenossenschaft
als Arbeiter in der Zigarettenindustrie beschäftigt waren:
1901: 5555 Pers., dav. 910 in
107 Bet. ohne
u. 4645 in
69 Bet.
m. Mot.
1902:6726
„ . 1089 „
179
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„ 5637 „
82
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1903:7812
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1904:8759
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„ 7313,,
103
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„ » 1519 „
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„ 8065 „
114
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fiel die Zahl der Arbeiter im Steuerjahre 1906
auf 9505 Personen, davon 1453 in 215 Betrieben ohne und
8052 in 131 *) Betr. mit Motoren, um im folgenden Jahre (1907)
auf 11830 Personen, davon 1808 in 213 Betrieben ohne und
10 022 in 150 Betrieben mit Motoren, anzuwachsen.
1) Die ziemlich bedeutende Zunahme in der Zahl der Betriebe im Jahre
1906 erklärt sich dadurch, „daß gerade die Einführung der Steuer den Anstoß da
zu gab, daß eine große Anzahl von Laien sich der (Zigaretten-)Industrie zuwandte
in dem Glauben, bei der allgemeinen Umwälzung leicht gute Geschäfte machen zu
können (Bericht der Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin. 1907. Teil II, S. 122).
Zeitschrift für die ges. Staatswissensch. Ergänzungsheft 33. 2