Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

17

zu  dem  sie  vom  Hersteller  versteuert  worden  sind.  Ein  kleiner  Spielraum ­
  bei  der  Preisfestsetzung  ist  ihm  jedoch  innerhalb  der  Grenzen
der  Steuerklassen  gelassen;  so  kann  er  z.  B.  eine  ihm  vom  Fabrikanten ­
  als  2  Pfg.-Qualität  gelieferte  und  dementsprechend  versteuerte
Marke  mit  2  ’/2  Pfg.  verkaufen,  da  letztere  Preislage  derselben  Steuerklasse ­
  wie  die  2  Pfg.-Zigarette  angehört.
Der  Händler  —  und  zwar  nur  dieser,  nicht  der  Hersteller  —
ist  freilich  befugt,  den  Zigarettenpackungen  Zuschlagsbanderolen
umzulegen  und  dann  den  Kleinverkaufspreis  zu  erhöhen  (A.  B.  §  13).
Solche  mit  Zuschlagsbanderolen  versehene  Zigarettenpackungen
läßt  sich  der  Konsument  aber  gewöhnlich  nur  beim  Kauf  von
Zigaretten  in  Vergnügungsetablissements  usw.,  nicht  aber  in  Tabakläden ­
  gefallen,  denn  er  erkennt  daran  sofort,  daß  er  die  Fabrikate
über  ihren  Wert  bezahlen  muß.
Arbeiterentlassungen  als  Folge  des  Zigaretten-Steuergesetzes
  kamen  wohl  in  der  allerersten  Zeit  nach  Einführung  desselben ­
  vor;  sie  sind  aber  in  der  Hauptsache  der  vor  Einführung
des  Gesetzes  erfolgten  Überproduktion  zuzuschreiben.  Diese  war
durch  gewaltige  Ankäufe  der  Händler  veranlaßt  worden,  die  sich
vor  Inkrafttreten  des  Gesetzes  (1.  VII.  06)  noch  mit  möglichst  großen
Warenposten  versehen  wollten,  da  ihnen  ein  zweimonatlicher,  steuerfreier ­
  Verkauf  ihrer  Vorräte  gestattet  worden  war.
Während  in  den  letzten  fünf  Jahren  vor  Einführung  der  Banderolensteuer ­
  nach  den  Berichten  der  Tabak-Berufsgenossenschaft
als  Arbeiter  in  der  Zigarettenindustrie  beschäftigt  waren:

1901:  5555  Pers.,  dav.  910  in

107  Bet.  ohne

u.  4645  in

69  Bet.

m.  Mot.

1902:6726

„  .  1089  „

179

n

))

„  5637  „

82

fl

1)

T)

1903:7812

„  „  1293  „

192

))

i)

„  6519  „

95

W

n

})

1904:8759

.  ,,  1446  „

188

n

)i

„  7313,,

103

V

»

f)

1905:9584

„  »  1519  „

181

n

n

„  8065  „

114

n

n

))

fiel  die  Zahl  der  Arbeiter  im  Steuerjahre  1906

auf  9505  Personen,  davon  1453  in  215  Betrieben  ohne  und
8052  in  131  *)  Betr.  mit  Motoren,  um  im  folgenden  Jahre  (1907)
auf  11830  Personen,  davon  1808  in  213  Betrieben  ohne  und
10  022  in  150  Betrieben  mit  Motoren,  anzuwachsen.

1)  Die  ziemlich  bedeutende  Zunahme  in  der  Zahl  der  Betriebe  im  Jahre
1906  erklärt  sich  dadurch,  „daß  gerade  die  Einführung  der  Steuer  den  Anstoß  dazu ­
  gab,  daß  eine  große  Anzahl  von  Laien  sich  der  (Zigaretten-)Industrie  zuwandte
in  dem  Glauben,  bei  der  allgemeinen  Umwälzung  leicht  gute  Geschäfte  machen  zu
können  (Bericht  der  Ältesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin.  1907.  Teil  II,  S.  122).
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  33.  2
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.