Full text: Die deutsche Zigarettenindustrie

21 
Wichtigere Plätze für die Zig ar e tten indu s trie sind 
heute vor allem: Dresden, dann Berlin mit Vororten, Breslau, Posen, 
Königsberg in Preußen, Danzig, Hamburg, Hannover, Frankfurt am 
Main, Wiesbaden, Baden-Baden, Straßburg, Düsseldorf, München 
und Stuttgart. 
In Dresden, das noch immer alle anderen Orte an Bedeutung 
für die Zigarettenindustrie überragt, sind heute etwa 5300 Personen 
in Zigarettenbetrieben tätig. Es wird daselbst noch immer über die 
Hälfte der gesamten deutschen Zigarettenproduktion hergestellt. So 
machte z. B. im Steuerjahre 1907/08 die Zigarettenproduktion 
Dresdens der Menge nach 52,5 und dem Werte nach 49,5 Prozent 
von der deutschen Gesamtproduktion aus *). 
Nächst Dresden ist heute Berlin der bedeutendste Sitz der 
deutschen Zigarettenindustrie. Im Jahre. 1908 waren daselbst nach 
mir gemachten, zuverlässigen Angaben 1550—1600 Personen in 
der Zigarettenindustrie tätig; in Betracht gezogen ist hierbei noch 
nicht die Zahl der in dem Vororte Pankow beschäftigten Arbeiter, 
die sich auf etwa 400 beläuft. 
Berlin verdankt seine Bedeutung für die Zigarettendustrie 
lediglich der hier im höchsten Grade konzentrierten Nachfrage. 
Eine leistungsfähige Industrie hat sich daselbst erst gegen Ende des 
vorigen Jahrhunderts entwickelt. Die Berliner Handelskammer be 
richtete im Jahre 1902 hierüber folgendes 1 2 ): 
„Innerhalb der Zigarettenfabrikation hat die Verschiebung zu 
Gunsten Berlins erfreuliche Fortschritte gemacht. Während noch 
vor einem Jahrzehnt Dresden unumstritten auch in der Versorgung 
des Berliner Marktes an der Spitze der deutschen Zigarettenfabri 
kation stand, haben die Berliner in der Dresdener Schule vorge 
bildeten Fabrikanten durch Energie, Solidität und Sachkenntnis schritt 
weise zuerst den Lokalmarkt erobert, um, gestützt auf den allmählich 
gewonnenen guten Ruf ihrer Marken, ihr Absatzgebiet immer weiter 
auszudehnen. Nicht zum geringsten Teile ist diese für die ganze 
deutsche Zigaretten-Fabrikation bedeutsame Tatsache darauf zurück 
zuführen, daß die Berliner Fabrikation von Anfang an durch Qualität 
in mittlerer und besserer Preislage zu wirken suchte und von dem 
in Dresden weit verbreiteten Gebrauch der Zigaretten-Maschinen 
fast völlig absah“. 
1) Berechnet auf Grund handschriftlicher Mitteilungen des Königl. Hauptzoll 
amtes zu Dresden! 
2) Berliner Handelskammer-Bericht 1902, Seite 282.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.