Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

52

Fragen  wir  schließlich  noch  nach  der  Produktionsverbilligung, ­
  die  die  Maschine  gegenüber  der  Handarbeit  gewährt,
so  erhalten  wir  hierüber  durch  folgende  Berechnung  Aufschluß:
Ein  Maschinenführer  kann  vier  Maschinen  bedienen.  Er  erhält
durchschnittlich  vierzig  Mark  pro  Woche;  auf  eine  Maschine  kommen
demnach  zehn  Mark.  Hierzu  kommt  noch  eine  Tabakauflegerin,
die  pro  Woche  durchschnittlich  dreizehn  Mark  erhält,  und  eine
Zigarettenabnehmerin  mit  dem  gleichen  Lohne.  Es  ergeben  sich
also  pro  Maschine  für  lebendige  Kraft  wöchentlich  sechsunddreißig
Mark,  pro  Tag  sechs  Mark.  Setzen  wir  die  Tagesproduktion  einer
Zigarettenmaschine  mit  sechzigtausend  Stück  in  Rechnung  (dies  ist
der  Durchschnitt),  so  ergibt  sich,  daß  für  lebendige  Kraft  bei
Maschinenarbeit  pro  Mille  Zigaretten  zehn  Pfennig  bezahlt  werden.
Hinzu  kommen  noch  die  Beträge  für  Amortisation,  Kraft,  Reparaturen ­
  usw.,  die  von  fachmännischer  Seite  auf  mindestens  sechzig
Pfennig  veranschlagt  werden.  Hiernach  stellen  sich  die  Kosten  der
eigentlichen  Anfertigung  bei  Maschinenzigaretten  auf  ingesamt  siebzig
Pfennig  pro  Mille,  was  gegenüber  der  Handarbeit,  die  im  Reichsdurchschnitt ­
  mit  2,30  Mk.  pro  Mille  bezahlt  wird,  eine  Produktionsverbilligung ­
  von  über  zwei  Drittel  darstellt.
Um  sich  diesen  Vorteil  der  Maschinenarbeit  auch  nutzbar  zu
machen  und  so  in  billigen  Preislagen  überhaupt  konkurrenzfähig  zu
bleiben,  pflegen  kleinere  und  mittlere  Fabrikanten,  deren  Mittel  die
Anschaffung  von  Maschinen  nicht  erlauben,  Maschinenzigaretten  von
anderen  Betrieben  zu  beziehen.  Es  gibt  in  Deutschland  mehrere
Fabriken,  die  nur  wieder  für  andere  Fabriken,  die  keine  Maschinen
zur  Verfügung  haben,  auf  maschinellem  Wege  Zigaretten  hersteilen.
Diese  Betriebe  haben  zum  Teil  eine  enorme  Jahresproduktion,  ohne
daß  überhaupt  irgend  jemand  außer  den  beteiligten  Kreisen  etwas
von  ihrer  Existenz  weiß,  weil  ihre  Produkte  alle  unter  den  Namen
ihrer  Auftraggeber  in  die  Welt  hinausgehen.  Teilweise  betreiben  sie
die  maschinelle  Herstellung  der  Zigaretten  als  Lohnwerk  —  der  auftraggebende ­
  Fabrikant  liefert  Tabak  und  Papier  selbst  und  zahlt  pro
Tausend  hergestellter  Zigaretten  einen  bestimmten  Betrag,  jetzt  gewöhnlich ­
  eine  Mark  —  oder  Tabak  und  Papier  werden  vom
Maschinenzigaretten-Fabrikanten  selbst  geliefert,  und  der  Fabrikant,
der  die  Ware  bestellt  hat,  ist  lediglich  Abnehmer  der  auf  seine  Anweisung ­
  hin  hergestellten  Fabrikate.
Da  den  Maschinenzigaretten  mancherlei  Mängel  anhaften,  die
Handanfertigung  in  der  Fabrik  aber  für  ganz  billige  Fabrikate
zu  kostspielig  ist,  so  wählt  man,  um  den  Konsumenten  für  wenig
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.