Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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Umfange  zu  eigen  ist,  zuzuschreiben,  daß  besonders  die  Frauen
solcher  Arbeiter  in  der  Fabrik  Verdienst  suchen,  um  der  Familie
über  die  in  gewissen  Zeitabständen  immer  wiederkehrenden  Perioden
der  Arbeits-  und  Verdienstlosigkeit  des  Familienoberhauptes  hinwegzuhelfen. ­

Etwa  zwei  Fünftel  aller  in  der  Zigarettenindustrie  beschäftigten
Personen  haben  das  einundzwanzigste  Lebensjahr  noch  nicht  erreicht. ­
  So  zählte  man  z.  B.  unter  den  4037  Personen,  die  im
Jahre  1905  bei  Beginn  des  noch  später  zu  erwähnenden  Dresdener
Zigarettenarbeiterstreikes  in  den  davon  betroffenen  Betrieben  beschäftigt ­
  waren,  1517=37  °/o  unter  21  Jahren 1 ).
Sehr  viele  dieser  minderjährigen  Personen  befinden  sich  namentlich ­
  unter  den  ungelernten  Arbeiterinnen.  Unter  den  gelernten ­
  Zigarettenmacherinnen  dagegen  ist  der  Prozentsatz  der
unter  einundzwanzig  Jahre  alten  Personen  etwas  geringer.  Dies
hat  seinen  Grund  darin,  daß  eine  Arbeiterin,  die  einmal  das  Zigarettenmachen ­
  erlernt  hat,  diese  Tätigkeit  auch  ausübt,  solange  sie
überhaupt  Geld  verdienen  muß.  Von  den  ungelernten  Arbeiterinnen
dagegen  lernen  viele  in  späteren  Jahren  doch  noch  irgend  eine
Berufsgeschicklichkeit  oder  gehen  sonst  zu  anderer,  besser  bezahlter
Tätigkeit  über.
Personen  unter  sechzehn  Jahren  findet  man  in  der  Zigarettenindustrie
  so  gut  wie  gar  nicht.  In  den  meisten  größeren  Betrieben
fehlt  diese  Arbeiterkategorie  überhaupt  gänzlich,  da  diese  es  prinzipiell ­
  ablehnen,  Personen  aufzunehmen,  welche  den  Bestimmungen
für  jugendliche  Arbeiter  unterliegen.
Die  meisten  der  in  Zigarettenbetrieben  beschäftigten  Mädchen
haben,  soweit  sie  nicht  nach  Verlassen  der  Schule  erst  einige  Jahre
ihren  Eltern  bei  Anfertigung  von  Heimarbeit  behilflich  gewesen
sind,  vor  ihrem  Eintritt  in  die  Zigarettenfabrik  schon  eine  andere
Beschäftigung  gehabt.
Als  früheren  Beruf  gaben  hierbei  auf  den  Fragebogen  an:
1.  Von  hundertundsechzehn  Zigarettenmacherinnen:
sechsundfünfzig:  Dienstmädchen,  neunzehn:  Arbeiterin,  je  vier:
Tabaksortiererin,  Verkäuferin,  je  drei:  Zigarettenpackerin,  Arbeitsmädchen, ­
  je  zwei:  Aufwärterin,  Kinderpflegerin,  Putzmacherin,  je
eine:  Buffetdame,  Buchhalterin,  Blumenarbeiterin,  Filialleiterin,  Expedientin, ­
  Glasbläserin,  Kartonnagen-Arbeiterin,  Kassiererin,  Köchin,
Koloristin,  Landarbeiterin,  Posamentenarbeiterin,  Pelznäherin,  Plät-1)
  Statistik  des  Deutschen  Reichs.  Neue  Folge,  Band  178,  II,  Seite  116.
            
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