Einleitung.
Die Zigarette ist die jüngste und doch heute schon in vielen
Ländern mit die verbreitetste Form des Tabakgenusses. Ursprünglich
in Westindien einheimisch, von den Spaniern aber zuerst in ihrer
heutigen Form *) fabriziert, hat dieselbe im Laufe des neunzehnten
Jahrhunderts einen Siegeszug durch die ganze Welt angetreten
und auch in Deutschland bald eine große Schar von Anhängern
gefunden.
Außerordentlich schnell sind hier Zigarettenproduktion und
-konsum gewachsen, denn während im Jahre 1877 nach den Be
richten der Tabak-Enquete-Kommission in ganz Deutschland nur
187 650 000 Zigaretten hergestellt und von diesen noch etwa 30 Pro
zent exportiert wurden, wies die deutsche Zigarettenindustrie im
Jahre 1908 dagegen eine Produktion von über 5 1 /2 Milliarden Stück
auf, die fast ausschließlich dem einheimischen Konsum diente.
Diese gewaltige Steigerung von Produktion und Konsum ist
einmal eine Folge der im Laufe der Zeit erfolgten Verbesserung
und Verbilligung (Einführung von Maschinen!) der Erzeugnisse un
serer Industrie und der mit wachsendem, nationalen Wohlstände zu
nehmenden Konsumtionskraft des Volkes für Luxusartikel; ander
seits haben aber auch besondere Gründe dazu beigetragen, die
Beliebtheit der Zigarette zu vermehren, die man so recht ein Kind
unserer schnellebigen Zeit nennen kann.
Seitdem das Erwerbsleben immer hastiger, die Pausen zum
Genüsse immer knapper geworden sind, findet man vielfach nicht
mehr die Zeit, sich dem Genüsse einer Zigarre hinzugeben, was
wohl im Durchschnitt 20—30 Minuten erfordert. Das momentane
Rauchbedürfnis muß vielmehr in ganz kurzer Zeit befriedigt
werden und kann es auf die bequemste Art und Weise durch das
1) Die Eingeborenen Westindiens bedienten sich statt des Zigarettenpapiers
ursprünglich der Blätter gewisser Pflanzen, so z. B. derer des Maises, zum Ein
wickeln des Tabaks.
Zeitschrift für die ges. Staatswissenschaft. Ergänzungsheft 33.
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