Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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der  letzten  30  Jahre  im  Durchschnitt  um  20—25  Prozent  gestiegen.
Im  Jahre  1877  wurden  nach  den  Berichten  der  Tabak-Enquete-Kommission
  im  Reichsdurchschnitt  für  das  Wickeln  von  tausend  Zigaretten
1,80  Mark  bezahlt;  der  durchschnittliche  Wochenverdienst  einer
Zigarettenarbeiterin  belief  sich  hierbei  auf  10—12  Mark.  Heute  hat
der  Lohn  für  das  Drehen  von  tausend  Zigaretten  durchschnittlich
die  Höhe  von  2,30  Mark,  der  durchschnittliche  Wochenverdienst
einer  Zigarettenarbeiterin  hat  jetzt  dagegen  die  Höhe  von  zwölf  bis
fünfzehn  Mark.
Die  bedeutendste  Lohnerhöhung  haben  die  Zigarettenarbeiter
erst  in  einem  der  letzten  Jahre,  und  zwar  im  Jahre  1905,  erzielt,
in  dem  die  erste  und  bisher  überhaupt  einzige  allgemeine  große
Lohnbewegung  unter  den  deutschen  Zigarettenarbeitern  stattfand.
Diese  nahm  ihren  Ausgang  von  der  Metropole  der  Zigarettenindustrie, ­
  von  Dresden,  wo  im  Frühjahr  1905  eine  Bewegung  ausbrach, ­
  die  dieHerstellung  einer  Tarifgemeinschaft  zwischen
Arbeitgebern  und  -nehmern  in  der  Dresdener  Zigarettenindustrie
zum  Ziele  hatte.  Im  Laufe  der  nachfolgenden  Verhandlungen  mit
der  Fabrikantenschaft  ließen  die  Arbeiter  dann  aber  den  Gedanken
einer  Tarifvereinbarung  wieder  fallen,  da  sie  einsahen,  daß  sie
eine  solche  doch  nicht  würden  durchsetzen  können  1 ).  Sie  drangen
vielmehr  nur  noch  auf  die  Anerkennung  bestimmter  Lohnforderungen.
Zuerst  kam  in  der  Fabrik  von  Eckstein  &  Söhne  eine  Vereinbarung ­
  zustande,  auf  Grund  deren  alle  Gruppen  von  Arbeitern
Lohnerhöhungen  zugestanden  erhielten;  zugleich  wurde  auch  für
die  Entlohnung  der  Zigarettenmacher  ein  fester  Lohntarif  aufgestellt. ­
  Andere  größere  und  kleinere  Betriebe  folgten  nach  und
bewilligten  gleichfalls  Lohnerhöhungen;  in  den  Betrieben  dagegen,
die  nicht  bewilligten,  wurde  die  Arbeit  niedergelegt.
Um  diese  Zeit  kam  es  aus  Gründen,  die  mit  der  Lohnfrage
nicht  direkt  in  Zusammenhang  standen 1  2 ),  plötzlich  zu  einem  allgemeinen ­
  Streik  bez.  zu  einer  Aussperrung  der  Dresdener  Zigarettenarbeiter ­
  und  zwar  auch  in  den  Betrieben,  die  die  Lohnforderungen
schon  bewilligt  hatten.

1)  Vergl.  Jahresbericht  des  Tabakarbeiter-Verbandes  1905,  Seite  32:  „Das
organisatorische  Verhältnis  in  Dresden  bot  keine  Gewähr,  die  Anerkennung  erzwingen ­
  zu  können,  und  anderseits  waren  die  bestehenden  Lohn-  und  Arbeitsverhältnisse, ­
  besonders  für  Packerinnen,  Aufreißerinnen  und  Tabaksortiererinnen
so  verschiedene  und  widersprechende,  daß  sie  schlecht  in  einem  aufgestellten  Tarif
in  generellem  Sinne  zur  Zufriedenheit  beider  Parteien  erledigt  werden  konnten.“
2)  Näheres  hierüber  siehe  Seite  108  ff.
            
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