Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
die Steuer auf Wohnhäuser und die Steuer auf Malz. Smith sollte eine 
noch bedeutendere Bekehrung zustande bringen: die Pitt’s, der bei 
Erscheinen des Völkerreichtunis noch Student war und später sich 
stets als Anhänger Smith’s bezeichnete. Kaum Minister geworden, be 
mühte er sich, Smith’s Ideen zu verwirklichen. Er war es, der den ersten 
liberalen Handelsvertrag mit Frankreich Unterzeichnete: den Eden- 
Vertrag 1 ), von 1786. Als Smith 1787 nach London kam, traf Pttt mehr 
fach mit ihm zusammen und besprach mit ihm seine Finanzprojekte. 
Man erzählt sogar, daß Smith einmal gesagt habe, als er von einer dieser 
Besprechungen zurückkam: „Was für ein außerordentlicher Mensch 
doch dieser Pitt ist; er versteht meine Ideen besser als ich selber.“ 
Während Smith so die bedeutendsten Männer seiner Zeit für sich 
gewann, drang sein Buch mehr und mehr in das große Publikum. Nach 
seiner ersten Ausgabe erschienen, noch zu Lebzeiten des Verfassers, 
vier weitere Ausgaben seines Werkes 2 ). Die dritte, die 1784 herauskam, 
unterscheidet sich von der ersten durch wichtige Erweiterungen und 
Verbesserungen. Vom Tode des Verfassers im Jahre 1790 bis zum Ende 
des Jahrhunderts wurden noch drei weitere Auflagen veröffentlicht 3 ). 
Zur selben Zeit verbreitete sich sein Werk mit dem gleichen Erfolge 
über Europa. In Frankreich war Smith schon durch seine Theorie der 
Moralgefühle bekannt. Der erste Hinweis, der in Frank-reich auf den 
Völkerreichtum gemacht worden ist, erschien im Februar 1777 in 
einer Notiz des Journal des Savants. In dieser Notiz findet sich, 
nach einigen Zeilen über die Vorzüge des Werkes, folgende merkwürdig 6 
Meinung ausgedrückt: „Einige unserer Schriftsteller, die es gelesen 
haben, sind nicht der Ansicht, daß eg ein Buch sei, dessen Übersetzung 
in unsere Sprache lohne. Unter anderen Gründen behaupten sie, daß 
kein Privatmann bereit sein würde, gegenüber der-Unsicherheit über die 
Aufnahme, die eine solche Übersetzung finden würde, die Kosten der 
Drucklegung zu tragen, und daß die Verleger dieses Kisiko noch wenig 61- 
übernehmen würden. Sie geben aber zu, daß das Buch an merkwürdig 611 
und mehr noch an nützlichen Gesichtspunkten und Belehrungen reich ist» 
von denen sogar Staatsmänner profitieren könnten.“ — Trotz der Mei 
nung „unserer Schriftsteller“ folgten sich jedoch zahlreiche Übersetzungen, 
in Frankreich sowohl wie auch in anderen europäischen Ländern. 
etwa 20 Jahren, zwischen 1779 und 1802, fand Smith in Frankreich vie f 
verschiedene Übersetzer. Dies zeigt zur Genüge das Interesse, das sein 
Buch erregte 4 * ). 
l ) Nach dem Namen seines englischen Hauptunterhändlers, Lord Eden. 
8 ) In 1778, 1784, 1786 und 1789. 
s ) In 1791, 1793 und 1796. 
4 ) 1796 schrieb Prof. Kraus, daß nach dem Neuen Testament kein Buch einen 
wohltätigeren Einfluß auszuüben bestimmt sei, sobald es besser bekannt sein würde
	        
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