Kapitel II. Adam Smith.
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Wenige Werke haben einen so vollständigen, so allgemeinen Erfolg
verzeichnen können. Trotzdem verbreiteten sich nach der Ansicht der
Bewunderer Smith’s seine Ideen noch nicht schnell genug. Sie machten
hierfür die Fehler der Einteilung des Buches verantwortlich, über die
man sich seit dem Erscheinen des Völkerreichtums beklagt hatte.
Wenn auch die Einheitlichkeit des inneren Aufbaus gut durchgeführt
ist, so scheint sich Smith doch nicht darum gekümmert zu haben, ihr
auch äußerlich eine systematische Form zu geben. Um diese Einheit
zu finden, muß man eine wirkliche Anstrengung machen. Vielleicht hat
Smith ein gewisses Gefallen daran gehabt, das Buch wie eine ungezwungene
Rede abzufassen, und man meint manchmal, ein einfaches Gespräch
mit anzuhören. Die allgemeinen Formeln, in denen er seine Gedanken
zusammenfaßt, erscheinen oft in der Mitte oder am Ende eines Kapitels,
•als ob sie ihm ganz plötzlich erst im Augenblick gekommen wären, als
der soeben auftauchende kurze Ausdruck für alles, was vorhergeht. Auf
der anderen Seite ist die Untersuchung gewisser Fragen, wie z. B. die
des Geldes, über das ganze Buch verstreut: sie wird an mehr als zehn
Stellen behandelt. Hume drückte Smith schon am 1. April 1776 seine
Zweifel an der Volkstümlichkeit des Buches aus, „weil seine Lektüre
Notwendig gespannteste Aufmerksamkeit verlangt“. Sartorius schob
1794 den langsamen Erfolg der Ideen Smith’s in Deutschland der Schwierig
keit dieser Lektüre zu. Germain Garnier schickte seiner französischen
Übersetzung einen methodischen Plan voraus, um seinen Lesern das
Studium des Buches zu erleichtern. Jedermann gab zu, daß das Werk
a ußerordentlich bedeutend, aber schlecht angeordnet, schwer zu ver
stehen und stellenweise verworren und ungenau sei. Say, der das Buch
»>ein riesiges Chaos von richtigen Ideen, in wirrer Mischung mit positiven
Kenntnissen“ 1 ) nannte, drückte damit die Meinung aller Leser des
selben aus.
Um völlig durchzudringen, bedurfte Smith — wenigstens auf dem
Kontinent — eines Dolmetschers, dem es gelingen sollte, die Ideen Smith’s
’’j n eine methodisch festumrissene Lehre zu fassen“ 2 ) und von unnötigen
Abschweifungen freizuhalten. Diese Aufgabe übernahm J.-B. Say. Unter
anderen Verdiensten* (denn es ist nicht sein einziges), ist ihm das der
[L Rae, S. 360). Am Anfang des XIX. Jahrhunderts wurde sein Einfluß tatsächlich
Überwiegend. Alle preußischen Staatsmänner, die mit Stein die einschneidenden Re-
prmen, aus denen das moderne Preußen entstehen sollte, vorbereiteten und verwirk-
«chten, waren von dem Gedanken Adam Smith’s erfüllt, und der preußische Zolltarif
on 1821 war der erste europäische Tarif, in dem sie mit voller Absicht angewendet
wurden (vgl. Roscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland).
^ orre 4e zum Traitö d ! 6conomie politique, 1. Ausg., S. VI (dieser Satz
t m der 6. Ausg. gestrichen).
2 ) J.-B. Say, Traitö, 1. Ausg., Vorrede, S. XXXIII.
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