Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

ringerung  im  Ertrage  der  Kapitalien,  die  nach  und  nach  in  den  gleichen
Boden  gesteckt  werden.  Er  weist  darauf  hin,  daß  sogar  in  diesem  Falle,
d.  h.  ohne  daß  neue  Landstriche  in  Bearbeitung  genommen  werden,  die
Bodenrente  in  Erscheinung  tritt.
In  der  Tat,  wenn  wir  bei  unserem  Boden  Nr.  I  bleiben,  der  das  Getreide ­
  zu  10  Fr.  den  Hektoliter  erzeugt,  und  wenn  wir  annehmen,  daß  wir
versuchen,  im  Falle  die  Bedürfnisse  eine  Erhöhung  des  Ernteertrages
notwendig  machen,  den  Ertrag  bei  Nr.  I  zu  erhöhen,  anstatt  Boden  Nr.  II
urbar  zu  machen,  so  werden  wir  hierbei  nichts  gewinnen.  Denn  die  neuen
Hektoliter,  die  auf  dem  Boden  Nr.  I  erzeugt  werden,  werden  15  Fr.  kosten,
genau  wie  die  vom  Boden  Nr.  II,  und  ihr  Preis  wird  den  Marktpreis  bestimmen: ­
  der  Preis  eines  jeden  Hektoliters  wird  daher  auf  15  Fr.  steigen,
und  der  Besitzer  wird  ebenso  eine  Bodenrente  beziehen,  weil  seine  zwei
Hektoliter  sich  zum  gleichen  erhöhten  Preise  verkaufen,  nämlich  15  plus
15  gleich  30  Fr.,  obgleich  sie  ihm  doch  nur  10  plus  15  Fr.  gleich  25  Fr.
gekostet  haben 1 ).
Um  zu  vermeiden,  Boden  einer  geringeren  Kategorie  in  Angriff  zu
nehmen,  gibt  es  noch  ein  anderes  Hilfsmittel.  Es  besteht  darin,  in  der
Ferne  durch  Auswanderung  und  Kolonisation  Felder  zu  erwerben,  die
den  Feldern  erster  Kategorie  gleichwertig  sind,  oder  besser,  einfach  die
Erzeugnisse  dieser  überseeischen  fruchtbaren  Felder  zu  kaufen  und  dafür
industrielle  Erzeugnisse  in  Tausch  zu  geben,  auf  die  das  Gesetz  des  sinkenden ­
  Bodenertrages  keine  Anwendung  findet.  Hierbei  muß  jedoch  noch
die  Arbeit  des  Transportes  in  Betracht  gezogen  werden,  die  sich  der  Erzeugungsarbeit ­
  anfügt,  und  die  das  gleiche  Resultat  ergeben  wird,  nämlich
eine  Bodenrente  für  die  dem  Markt  näher  gelegenen  Grundstücke,  eine
Bodenrente,  die  sich  aus  der  Überlegenheit  der  Lage  erklärt,  oder,  wie
J.-B.  Say  sagt:  „Entfernung  wirkt  wie  geringere  Fruchtbarkeit.“  In
Amerika  gibt  es  Felder,  die  das  Getreide  zu  10  Fr.  den  Hektoliter  erzeugen;
wenn  es  aber  notwendig  wird,  für  den  Transport  5  Fr.  Fracht  zu  zahlen,
so  ist  es  klar,  daß  das  nach  England  gelieferte  Getreide  15  Fr.  wert  ist,
d.  h.  genau  ebensoviel,  als  wenn  man  dort  Felder  zweiter  Kategorie  in

l )  Die  von  Ricardo  gegebene  Erklärung  ist  in  eine  etwas  andere  Form  gekleidet.
„Wenn  ein  Pächter  aus  seinem  Land  mit  einem  Kapital  von  1000  Pfund  Sterling
100  Zentner  Getreide  gewinnt  und  wenn  er,  infolge  der  Aufwendung  eines  weiteren
Kapitals  von  1000  Pfund  Sterling  einen  Mehrertrag  von  85  Zentnern  erzielt,  so  würde
der  Besitzer  berechtigt  sein,  von  ihm  15  Zentner  oder  deren  entsprechenden  Wert  zu
verlangen,  denn  für  den  Profit  kann  es  nicht  zwei  verschiedene  Sätze  geben“  (S.  43).
Er  will  damit  sagen,  daß  die  Rente  notwendigerweise  in  Erscheinung  tritt,  wenn  die
Höhe  des  Gewinnes  infolge  der  geringeren  Ertragsfähigkeit  der  neuen  Kapitalien  sinkt.
Denn  die  Rente  ist,  wie  das  Wort  schon  sagt,  der  Teil  des  Ernteertrags,  der  nach  Abzug
des  Gewinnes  und  der  Löhne  übrig  bleibt.  Diese  Darstellung  nähert  sich  (wie  Ricardo
zugibt)  der  eines  anderen  englischen  Schriftstellers,  Edward  West,  in  dessen  I81u
veröffentlichten  Buch:  Application  of  Capital  to  Land.
            
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