Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

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die  relative  Arbeitsmenge,  die  zur  Erzeugung  notwendig  ist;  2.  durch  die
relative  Zeitdauer,  die  notwendig  ist,  um  das  Resultat  dieser  Arbeit  auf
den  Markt  zu  bringen.“  Er  hat  also  schon  die  Bedeutung  dieses  von  der
Arbeit  durchaus  verschiedenen  neuen  Faktors  geahnt,  dem  der  österreichische ­
  Professor  v.  Böhm-Bawerk  später  eine  so  große  Bedeutung
heilegen  sollte 1 ).
Dennoch  hatte  Ricardo  zu  seinem  Kummer  anerkennen  müssen,  daß
der  Wert  in  gewissen  Fällen,  unabhängig  von  der  Arbeit,  aus  der  Seltenheit ­
  —  und  sogar  aus  der  Zeit  —  entstehen  kann:  er  führt  selbst  als  Beispiele ­
  „die  kostbaren  Gemälde,  Bildsäulen,  Bücher,  Denkmünzen,  edle
Weine“  an,  aber  seiner  Meinung  nach  handelte  es  sich  hier  nur  um  Regelwidrigkeiten, ­
  die  man  vernachlässigen  darf,  während  die  heutigen  Nationalökonomen ­
  diese  Fälle  der  allgemeinen  Theorie  des  Wertes,  derjenigen  der
allgemeinen  Nützlichkeit,  untergeordnet  haben.
3.  Es  genügt  nicht,  zu  behaupten,  daß  der  Wert  von  der  Arbeit  bestimmt ­
  wird:  man  muß  auch  noch  wissen,  welche  Arbeit  gemeint  ist.  Wenn
alles  Getreide  in  Säcken  auf  dem  Markte  ist  —  nehmen  wir  der  Einfachheit
halber  an,  daß  es  sich  nur  um  drei  Sack  handelt  —,  von  denen  jeder  eine
verschiedene  Menge  von  Arbeit  gekostet  hat,  da  in  der  Hypothese  der
eine  auf  fruchtbaren,  die  anderen  auf  weniger  fruchtbaren  Feldern  erzeugt
worden  sind,  so  haben  sie  trotzdem  den  gleichen  Wert.  Welche  von  den
drei  Arbeitsmengen  ist  es  nun,  die  den  Wert  des  Getreides  bestimmt?
Ricardo  antwortet:  „die  Maximalarbeit“;  der  Sack  Getreide,  der  unter
den  ungünstigen  Bedingungen  erzeugt  worden  ist,  bestimmt  den  Marktpreis.
Man  ist  versucht  sich  zu  fragen:  Ja,  aber  warum  denn  die  Maximalarbeit? ­
  Warum  sollte  es  im  Gegenteil  nicht  der  Sack  Getreide  sein,  der
die  günstigsten  Erzeugungsverhältnisse  gehabt  hat,  der  den  Preis  bestimmt,
oder  warum  nicht  der  mittlere?  r  -  -
Weil  dies  unmöglich  sein  würde,,  Nehmen  wir  an,  daß  die  drei  Säcke
Getreide,  die  auf  dem  Markt  vorhanden  sind,  von  drei  verschiedenen
Kategorien  Felder,  A,  B  und  C,  kommen,  auf  denen  die  respektiven  Arbeitsmengen ­
  10,  15  und  20  sind.  Unmöglich  kann  der  Marktpreis  geringer  als
20  sein,  entsprechend  den  Produktionskosten  des  Getreides,  das  von  den

')  Im  Allgemeinen  drückt  man  die  Theorie  Ricardo’s  dadurch  aus,  daß  man  sagt,
der  Wert  wird  von  den  Produktionskosten  bestimmt.  Hierzu  ist  man  berechtigt,
da  er  sich  selbst  so  ausdrückt.  Es  ist  aber  etwas  ganz  anderes,  zu  sagen,  daß  der  Wert
von  der  Arbeit  bestimmt  wird,  und  wieder  etwas  anderes  ist  es,  zu  sagen,  daß  er  von
der  Summe  des  Lohnes  und  des  Profits  bestimmt  wird  (unter  Außerachtlassung
der  Bodenrente).  In  diesem  Punkte,  wie  in  vielen  anderen,  kann  nur  die  Dunkelheit
des  Ausdruckes  Ricardo  vor  dem  Vorwurf  eines  formellen  Widerspruchs  retten.  In
‘‘‘»er  Anmerkung  zum  Absatz  7  des  I.  Kapitels  sagt  er:  „Malthus  scheint  zu  denken,
daß  nach  meiner  Theorie  die  Kosten  und  der  Wert  einer  Sache  dasselbe  ist.  —
Bas  ist  auch  richtig  unter  der  Voraussetzung,  daß  man  unter  Kosten  die  Herstellungskosten ­
  einschließlich  des  Profits  annimmt.“-
            
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