Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

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die  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse,  die  ja  auch  nichts  anderes  als  Lebewesen ­
  sind,  Geltung  haben.  An  dem  Tage,  an  dem  die  industrielle  Herstellung ­
  von  Eiweiß  zur  Tatsache  geworden  sein  wird,  wird  sieh  die  Theorie
Ricardo’s  überlebt  haben.  Bis  dahin  aber  bleibt  sie  in  voller  Kraft
bestehen.

§  2.  Das  Gesetz  des  Lohnes  und  Profites.
Wenn  wir  jetzt  die  beiden  vorhergehenden  Gesetze,  (jas  der  Bevölkerung ­
  und  das  der  Bodenrente,  in  Beziehung  zueinander  setzen  und
fragen,  welchen  Einfluß  sie  auf  die  Lage  des  Arbeitenden  und  auf  seinen
Lohn  haben,  so  ergeben  sich  wenig  günstige  Aussichten.  Der  Arbeiter
sieht  sich  auf  der  einen  Seite  durch  zügellose  Vermehrung  dem  Druck
einer  wachsenden  Zahl  von  Proletariern  ausgesetzt,  wodurch  notwendigerweise ­
  eine  Entwertung  der  Arbeitskraft  herbeigeführt  wird,  denn  auf
irgendeine  Verringerung  der  Zahl  der  Proletarier  infolge  des  moralischen
Enthaltsamkeitszwanges  ist  kaum  zu  rechnen;  —  auf  der  anderen  Seite
lastet  auf  ihm  die  Notwendigkeit,  ständig  weniger  fruchtbare  Felder
in  Bewirtschaftung  zu  nehmen,  wodurch  eine  stete  Verteuerung  der  zum
Leben  unentbehrlichen  Nahrungsmittel  eintritt.  So  findet  sich  der  Arbeiter
unter  dem  Drucke  zweier  antagonistischer  Kräfte,  dem  Sinken  des  Lohnes
und  dem  Steigen  der  Preise,  wie  zwischen  Hammer  und  Amboß  zermalmt.
Schon  Turgot  hatte  jenen  schrecklichen  Satz  aufgestellt:  „In  jeder
Arbeitsart  muß  der  Fall  eintreten,  und  tritt  auch  wirklich  ein,  daß  der
Lohn  des  Arbeiters  sich  auf  das,  was  zur  Beschaffung  seines  Lebensunterhaltes ­
  notwendig  ist,  beschränkt.“  Und  sein  Zeitgenosse  Necker  hatte
in  noch  schärferen  Worten  gesagt:  „Wenn  man  ein  Nahrungsmittel  entdecken ­
  würde,  das  weniger  schmackhaft  ist,  als  das  Brot,  jedoch  den
menschlichen  Körper  während  48  Stunden  unterhalten  kann,  so  wüide
das  Volk  bald  dazu  gezwungen  sein,  von  zwei  Tagen  nur  an  einem
z .u  essen.“  Jedoch  waren  das  nur  einfache  Behauptungen,  die,  auch  wenn
sie  sich  vielleicht  auf  den  Stand  der  Löhne  jener  Zeit  stützen  konnten,
doch  nicht  den  Anspruch  erhoben,  allgemeine,  beständige  und  unvermeidliche ­
  Gesetze  zu  sein,  während  sie  bei  Malthus  und  Ricardo  diesen
Charakter  annehmen.  MalThus  sagt:  „Infolge  der  Ursachen,  die  die
Bevölkerung  regeln  und  die  Vermehrung  des  Menschengeschlechtes
bedingen,  wird  der  Lohn  der  Schwächsten  sich  niemals  viel  übei  aem
Niveau  halten,  das  die  Natur  und  die  Gewohnheit  zum  Unterhalt  des
Arbeiters  als  unbedingt  nötig  fordern“  (S.  128).  Und  Ricardo  sagt  noch
bestimmter:  „Der  natürliche  Preis  der  Arbeit  ist  der,  der  den  Arbeitern
im  Allgemeinen  die  Mittel  gibt,  ihr  Leben  zu  fristen  und  sich  ohne  Vermehrung ­
  oder  Verminderung  ihrer  Klasse  fortzupflanzen“  (S.  67).  Die
            
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