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Erstes Buch. Die Begründer.
Worte „ohne Vermehrung oder Verminderung“ sind bemerkenswert, sind
wohl zu beachten; sie bedeuten nämlich, daß, wenn es in der Arbeiterfamilie
mehr Kinder gibt, als nötig sind, um die Zahl auf der Höhe der
elterlichen Generation zu halten, der Lohn unter den normalen Satz sinken
wird, bis das Gleichgewicht durch höhere Sterblichkeit wieder hergestellt ist.
Damit wird aber nicht gesagt, daß der Nominallohn, in Geld ausgedrückt,
nicht steigen könne. Er muß im Gegenteil mit Notwendigkeit
höher werden, da der Preis der Lebensmittel beständig aufwärts strebt.
Wenn der Geldlohn derselbe bliebe, würde der Arbeiter bald nicht genug
zum Essen haben. Der Lohn wird daher im gleichen Verhältnis wie der
Getreidepreis steigen, so daß der Arbeiter sich stets die gleiche Menge,
nicht mehr und nicht weniger, beschaffen kann. Der Reallohn, in natura
ausgedrückt, wird dagegen stationär bleiben, aber gerade in ihm kommt
offenbar der Wohlstand der Arbeiterklasse zum Ausdruck.
Dabei ist es noch die Frage, ob er stationär bleibt? Ricakdo scheint
das nicht zu glauben: „Im natürlichen Vorwärtsschreiten der Gesellschaften
zeigt der Lohn die Tendenz zu fallen, insofern er durch Angebot
und Nachfrage geregelt wird, weil die Anzahl der Arbeiter beständig
um etwas schneller als die Nachfrage wächst“ (S. 73) 1 ).
Es ist möglich, daß die Steigerung des Nominallohnes diesen Rückgang
verschleiert: „In diesem Fall scheinen die Löhne zu steigen; sein
(des Arbeiters) Schicksal wird trotzdem weniger glücklich sein; zwar wird
er einen höheren Geldbetrag als Lohn erhalten, aber dieser Geldbetrag
wird weniger in Getreide wert sein“ (S. 77). Nur in dem Falle, daß die
Arbeiterklasse genügend Voraussicht an wendet, um die Zahl ihrer Kinder
einzuschränken, kann sie hoffen, wenigstens den Status quo aufrecht
zu erhalten: „Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß Wohlstand
und Wohlsein der Armen nur dann sicher gestellt werden können, wenn
sie selbst danach streben, oder wenn es der Gesetzgebung gelingt, die
Häufigkeit frühzeitiger Ehen zwischen jungen und leichtsinnigen Personen
zu verhindern“ (S. 81).
Mit anderen Worten, die Bedürfnisse der Industrie erfordern eine
bestimmte Anzahl Arbeiter. Solange diese Ziffer nicht überschritten
wird, muß der Lohn, auch der niedrigste, wohl oder übel ausreichend sein,
um seinem Empfänger den Lebensunterhalt zu ermöglichen, da er unentbehrlich
ist. — Sobald aber die Arbeiterbevölkerung die Bedürfnisse
der Industrie überschreitet, gibt es kein Mittel, um ein Sinken des Lohnes
unter das Existenzminimum aufzuhalten, da es dann nicht mehr nötig
ist, daß Alle am Leben bleiben.
Es muß darauf hingewiesen werden, daß sich Malthus hier, ebenso
*) „Die Lage des Arbeiters wird sich im Allgemeinen verschlechtern, während
die des Grundbesitzers sich verbessern wird“ (S. 78).