Full text : Die Arbeiterfrage

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Lange  habe  ich  dann  die  beiden  Frühauf  betrachtet.  Dafür
waren  sie  mir  dankbar  und  stellten  sich  mir  vor  als  Mann  und
Weib  —  Herr  Rose  und  Frau  Röschen  Buschwind.  Auf
meine  Frage,  ob  sie  denn  nicht  bereuen,  so  zeitig  aufgestanden
zu  sein,  da  sie  doch  bei  den  kalten  Nächten  frieren  müßten,  erzählte ­
  Frau  Röschen  gar  geschwätzig:  Sie  hätten  lange  geschlafen. ­
  Als  aber  die  Sonne  in  ihre  Fenster  geschienen  Jund
der  Gesang  der  Vögel  zu  ihnen  drang,  sei  sie  aufgestanden,
habe  den  Fensterladen  leise  geöffnet  und  vorsichtig  hinausgeguckt. ­
  Da  habe  sie  der  Haselstrauch  erblickt,  bei  welchem
sie  eingemietet  sind.  Der  habe  gelacht  und  gerufen:  Nun  aber
raus,  Du  Langschläfer.  Alle  meine  Töchter  haben  schon  Hochzeit ­
  gemacht  und  sich  in  ihre  ehelichen  Gemächer  zurückgezogen. ­
  Nur  eine  liebäugelt  noch  oben  mit  ihrem  Schatz.  Da
habe  sie  hinaufgesehen  und  die  kleine  Person  bemerkt,  wie
sie  im  purpurroten  Brautkleide  die  Gaben  ihres  hundertmal
größeren  Bräutigams  entgegennahm.
Da  habe  sie  ihrem  Manne  zugerufen:  Steh  auf,  Du  Faulpelz. ­
  Wie  aber  die  Männer  sind,  der  habe  sich  Zeit  genommen.
Sie  aber  habe  die  Tür  aufgemacht  und  sei  hinausgegangen,
dann  habe  es  ihm  wohl  keine  Ruhe  gelassen,  denn  er  sei  ihr
nach  einiger  Zeit  nachgelaufen.  Träumend  ging  ich  fort.  Dies
schien  beiden  sehr  angenehm,  und  als  ich  mich  noch  einmal
umsah,  winkten  sie  mir  freundlich  Lebewohl  zu.
Im  April  werden  sie  ihr  Liebesieben  beenden,  denn  wenn
der  Mai  mit  stolzeren  Blumenherren  und  feinen  Blumendamen
seinen  Einzug  gehalten,  ist  der  milchweiße  Brautschleier  Von
Frau  Röschen  Buschwind  grau  geworden  und  wird  abgelegt.
An  der  Stelle  aber,  wo  sie  den  gelben  Brautkranz  trug,  trägt
Frau  Röschen  dann  die  Frucht  ihrer  Frühlingsliebe.  Im  einfachen ­
  grünen  Röckchen  steht  sie  dann  mit  Herrn  Rose  da  und
sehen  neidlos  auf  all  die  koketten  Blumenschwestern.
Im  August  gehen  sie  dann  wieder  in  ihre  Behausung,  um
im  nächsten  März,  wenn  Sonnenwärme  und  Vogelsang  sie
weckt,  mit  einer  zahlreichen  Kinderschar  wiederzuerscheinen,
um  trotz  Sturm  und  Schnee  von  neuem  Lebensfreude  und
Liebesglück  zu  genießen.  So  verplaudere  ich  die  Feierstunden
mit  Blume  und  Tier,  und  wenn  ich  sehe,  wie  die  Wipfel  sich
ganz  leise  im  blauen  Äther  wiegen,  so  werde  ich  immer  erin ­
            
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