Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Land  und  Land  sich  darauf  beschränkte,  ihre  gegenseitigen
Erzeugnisse  naturaliter  auszutauschen 1 ).
Diese  Erklärung  ist  allerdings  sehr  schematisch;  sie  läßt  alle  sekundären ­
  Tatsachen  des  Handels  außer  acht,  und  vor  allen  Dingen  setzt  sie
die  Quantitätstheorie  des  Geldes  voraus,  die  heute  als  gar  zu  einfach
scharf  kritisiert  wird.  Diese  Theorie  der  Selbststeuerung  der  Handelsbilanz
durch  die  Schwankungen  des  Geldwertes  ist  schon  von  Hume  und  Smith
geahnt  worden,  aber  deshalb  ist  sie  nicht  weniger  eine  Entdeckung  erster
Ordnung,  und  von  ihr  lebt  die  Wissenschaft  seit  mehr  als  einem  Jahrhundert ­
 2 ).
Übrigens  steht  diese  Erklärung  mit  einer  Theorie  des  internationalen
Handels  in  Verbindung,  die  wir  nur  im  Vorübergehen  streifen,  weil  wir
sie  bei  Stuart  Mill  bedeutend  weiter  entwickelt  finden  werden:  die  der
internationalen  Werte.

§  4.  Die  Reglementierung  der  Banknotenausgabe
und  das  Papiergeld.
Wir  verdanken  Ricardo  ebenfalls  die  wesentlichen  Grundsätze,  nach
denen  sich  seither  die  Ausgabe  der  Banknoten  regelt.  In  seinem  Lande
besonders  haben  die  Gesetze  von  1822  und  vor  allem  von  1844,  die  die
Bank  von  England  organisierten,  sich  wenigstens  teilweise  auf  Ricardo’s
Grundsätze  gestützt.
Ricardo  hatte  die  große  Panik  des  Tages  vom  24.  Februar  des  Jahres
1797  gesehen,  an  dem  die  Metallreserve  der  Bank  von  England  von  200
auf  32  Milk  Fr.  gesunken  war,  und  an  dem  sich  der  Ministerrat  genötigt
gesehen  hatte,  den  Zwangskurs  festzusetzen.  Er  hatte  erlebt,  daß  dieser
ursprünglich  nur  als  vorübergehende  Maßregel  gedachte  Zwangskurs  bis
1821  bestehen  blieb!  Er  hatte  gesehen,  daß  die  Banknote,  wenigstens
während  der  Dauer  der  napoleonischen  Kriege,  durchschnittlich  10  %  und
1 )  „Gold  und  Silber  werden  von  der  Handelskonkurrenz  zwischen  den  verschiedenen ­
  Völkern  der  Welt  in  dem  Verhältnis  verteilt,  wie  es  sich  aus  dem  natürlichen ­
  Güterverkehr  ergibt,  der  bestehen  würde,  wenn  es  solche  Metalle  nicht  gäbe
oder  wenn  der  Handel  zwischen  Land  und  Land  sich  auf  einen  Austausch  ihrer  gegenseitigen ­
  Erzeugnisse  beschränkte.“
2 )  Ricardo  sagt:  „Auch  im  dringendsten  Fall,  wenn  wir  Subsidien  an  eine  fremde
Macht  zahlen  müssen,  würden  wir  doch  kein  Gold  ausführen,  so  lange  als  es  auf  dem
Markte  Waren  gibt,  die  die  Leistung  dieser  Zahlungen  zu  besseren  Bedingungen  gestatten“ ­
  (S.  409).  Er  bemerkt,  daß  tatsächlich  die  Hilfsgelder,  die  England  den  gegen
Napoleon  verbündeten  Mächten  gezahlt  hat,  in  Waren  gezahlt  worden  sind,  da  die
Ausfuhr  die  Einfuhr  stets  um  hunderte  von  Millionen  übertroffen  hat.  Die  sechzig
Jahre  später  von  Frankreich  an  Deutschland  gezahlte  Kriegsentschädigung  von  5  Mi  -
liarden  Fr.  ist  ein  weiterer  Beweis  für  die  Richtigkeit  seiner  Theorie.
            
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