Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Pessimisten. 
181 
vorübergehend sogar 30 % Disagio -hatte. Er hatte die Störungen, die 
als Folge dieses Disagios auftraten, miterlebt und gesehen, wie die Land 
lords die Zahlung ihrer Rente in Gold verlangten oder eine Erhöhung 
der Pachtsummen um das Disagio der Noten forderten. 
In seiner Schrift vom Jahre 1809 „über den hohen Preis des Hart- 
! geldes“ untersuchte er die Gründe dieser Entwertung und wies nach, 
I daß die einzige Ursache die Ausgabe einer zu großen Menge von Bank- 
| ooten war. Heute kann man meinen, daß hierin keine große Entdeckung 
I Erborgen lag! Er hatte aber die größte Mühe, seinen Gründen Geltung 
f verschaffen, und die absurden Erklärungen, die man ihm entgegen- 
I hielt, zurückzuweisen. Er zeigte, wie diese Wertverminderung der Bank- 
j noten als notwendige Folge den Goldabfluß nach sich zog, während man 
iui Gegenteil glaubte, daß der Abfluß des Goldes an dem ganzen Unglück 
I schuld sei, und versuchte, die Ausführung des Goldes gesetzlich zu ver- 
' bieten. „Als Hilfsmittel würde ich vorschlagen, daß die Bank nach und 
Nach den Betrag ihrer Banknoten vermindere, bis zu dem Augenblick, 
ln dem sie für den übrigbleibenden Teil (nämlich den, der noch im Umlauf 
befindlich ist) den Gegenwert in gemünztem Gelde angesammelt hat“ 
(S. 432). i) 
Warum nun aber nicht diesen Gedanken zu seinem logischen Ende 
denken, die Banknoten abschaffen und zum ausschließlichen Gebrauch 
von Metallgeld zurückkehren? „Weil,“ antwortet Ricardo, dem selbst 
verständlich die oben zitierte vortreffliche Ausführung A. Smith’s gegen 
wärtig war, „das Papiergeld einen solchen Verkehrsfortschritt darstellt, 
daß ich tief bedauern würde, uns unter dem Einfluß von Vorurteilen zu 
einem weniger fortgeschrittenen System zurückkehren zu sehen“ (S. 586). 
Wenn es wahr ist, daß die Einführung der Edelmetalle als Geldform einen 
*1° großen Fortschritt vorstellte, „so lehrt uns die Entwicklung auf Grund 
c er Erfahrung und Einsicht, daß noch ein weiterer Schritt zu tun ist, und 
j a ß man ihnen (den Edelmetallen) die Aufgabe, die sie in weniger er- 
euchteten Zeiten mit so großem Vorteil erfüllt haben, nehmen muß“ 
(b. 586). Auch weist er darauf hin, daß, wenn das Metallgeld allein vor 
handen wäre, der Fall eintreten könnte, „daß seine Menge sich nicht im 
gleichen Verhältnis mit dem Wachstum der Bevölkerung vermehren und 
p. 0 %edessen verteuern könne, wodurch ein Preissturz herbeigeführt würde. 
. !,,c vorsichtige Ausgabe von Papiergeld, die sich nach dem Wachstum 
p daf ür bestehenden Bedürfnisses regelt, würde dieser Gefahr begegnen.“ 
ist daher so wenig geneigt, das Papiergeld aufzugeben, um auf das 
ein v! ’ s * unn ötig zu bemerken, daß das gleiche Heilmittel, auch heute wieder, 
ein 0l * len wird ’ ura den enormen, während des Krieges entstandenen Notenumlauf 
Na? USCllrärilCen ^3 Milliarden Fr. im Februar 1919): eine Inflation, in der die meisten 
ü J? nalökonomen > gleich Ricaedo, die Ursache, wenigstens eine der Ursachen, des 
- icuren Hochstandes der Preise erblicken.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.