Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Metallgeld  zurückzugreifen,  daß  er  gerade  im  Gegenteil  das  Metallgeld
ab  sch  affen  will,  um  an  seine  Stelle  Papiergeld  zu  setzen,  allerdings
unter  der  Bedingung,  daß  es  nicht  in  übergroßer  Menge  ausgegeben  werden
darf.  Und  es  ist  noch  nicht  ausgemacht,  ob  nicht  der  große  Krieg  dazu
führt,  Ricardo’s  Ideal  zu  verwirklichen,  indem  er  die  Herrschaft  des
Papiergeldes  inauguriert.
Ricardo  ist  so  stark  von  der  Überlegenheit  des  Papiergeldes  überzeugt, ­
  daß  er  nicht  wünscht,  die  Bank  möge  die  Barzahlungen  wieder
aufnehmen,  denn  dann  würde  das  Publikum  ohne  Zweifel  Rückzahlung
seiner  Noten  verlangen:  „so  daß  man,  um  einer  grundlosen  Laune  entgegenzukommen, ­
  ein  billiges  Hilfsmittel  gegen  ein  sehr  teueres  eintauschen
würde“  (S.  585).
Wenn  die  Banknoten  aber  nicht  in  gemünztem  Gelde  rückzahlbar
sind,  wie  soll  dann  der  Wert  der  Banknote  garantiert,  ihre  Emission
geregelt  und  ihre  Wertverminderung  verhindert  werden  ?  Das  würde  durch
ein  Ansammeln  von  nicht  gemünztem  Gold  in  Barren  geschehen.  Die
Bank  dürfte  nicht  mehr  Noten  ausgeben,  als  der  Wert  der  Barren  beträgt.
Diese  Vorschrift  würde  genügen,  den  Wert  der  Banknote  auf  Pari  zu  halten,
denn  die  Wechsler  und  die  Bankiers  würden  sich  beeilen,  ihre  Banknoten
gegen  Barrengold  einzutauschen,  sobald  die  Banknoten  an  Wert  verlieren“,
—  und  trotzdem  würde  das  Publikum  nicht  imstande  sein,  sich  des  Edelmetalls ­
  zu  bedienen,  denn  was  könnte  es  für  den  gewöhnlichen  Bedarf
mit  Barren  Goldes  anfangen?
Dieses  System  ist  nicht  nur  an  und  für  sich  merkwürdig.  Man  würde
kaum  erwartet  haben,  daß  einer  der  Meister  der  liberalen  Nationalökonomie
I  eine  Art  Zwangskurs  in  Permanenz  erklärt,  der  nur  auf  Grund  des  Monopols
einer  Staatsbank  funktionieren  kann.  Und  doch  ist  das  die  Meinung
Ricardo’s.  Er  erklärt  sich  als  absoluter  Gegner  der  freien  Emissionstätigkeit ­
  und  ihrer  Fähigkeit,  sich  selbst  zu  regulieren:  „Die  Behauptung,
daß  die  Emissionen  nicht  den  Bedarf  des  Handels  überschreiten,  ist  vollständig ­
  wertlos,  weil  es  nämlich  unmöglich  ist,  die  Summe  festzusetzen,
die  für  diese  Bedürfnisse  nötig  ist.  Der  Handel  ist  in  seinen  Ansprüchen
unersättlich“  (S.  505).  Für  einen  liberalen  Individualisten,  wie  es  Ricardo
war,  zeigt  das  wenig  Vertrauen  in  die  Freiheit  des  Individuums  und  in
seine  Fähigkeit,  die  Art  des  Geldes,  die  ihm  am  besten  paßt,  zu  beurteilen.

Auf  dem  Boden  Ricardo’s  steht  eine  ganze  Reihe  von  Schülern,
recht  eigentlich  fast  alle  Volkswirtschaftler  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts. ­
  In  England  waren  die  berühmtesten,  die  sich  direkt  an  ihn
anschlossen:  MacCulloch,  Ricardo’s  besonderer  Freund  (Grundlagen
            
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