Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

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vorübergehend  sogar  30  %  Disagio  -hatte.  Er  hatte  die  Störungen,  die
als  Folge  dieses  Disagios  auftraten,  miterlebt  und  gesehen,  wie  die  Landlords ­
  die  Zahlung  ihrer  Rente  in  Gold  verlangten  oder  eine  Erhöhung
der  Pachtsummen  um  das  Disagio  der  Noten  forderten.
In  seiner  Schrift  vom  Jahre  1809  „über  den  hohen  Preis  des  Hart-!
  geldes“  untersuchte  er  die  Gründe  dieser  Entwertung  und  wies  nach,
I  daß  die  einzige  Ursache  die  Ausgabe  einer  zu  großen  Menge  von  Bank-|
  ooten  war.  Heute  kann  man  meinen,  daß  hierin  keine  große  Entdeckung
I  Erborgen  lag!  Er  hatte  aber  die  größte  Mühe,  seinen  Gründen  Geltung
f  verschaffen,  und  die  absurden  Erklärungen,  die  man  ihm  entgegen-I
  hielt,  zurückzuweisen.  Er  zeigte,  wie  diese  Wertverminderung  der  Bankj
  noten  als  notwendige  Folge  den  Goldabfluß  nach  sich  zog,  während  man
iui  Gegenteil  glaubte,  daß  der  Abfluß  des  Goldes  an  dem  ganzen  Unglück
I  schuld  sei,  und  versuchte,  die  Ausführung  des  Goldes  gesetzlich  zu  ver-'
  bieten.  „Als  Hilfsmittel  würde  ich  vorschlagen,  daß  die  Bank  nach  und
Nach  den  Betrag  ihrer  Banknoten  vermindere,  bis  zu  dem  Augenblick,
ln  dem  sie  für  den  übrigbleibenden  Teil  (nämlich  den,  der  noch  im  Umlauf
befindlich  ist)  den  Gegenwert  in  gemünztem  Gelde  angesammelt  hat“
(S.  432).  i)
Warum  nun  aber  nicht  diesen  Gedanken  zu  seinem  logischen  Ende
denken,  die  Banknoten  abschaffen  und  zum  ausschließlichen  Gebrauch
von  Metallgeld  zurückkehren?  „Weil,“  antwortet  Ricardo,  dem  selbstverständlich ­
  die  oben  zitierte  vortreffliche  Ausführung  A.  Smith’s  gegenwärtig ­
  war,  „das  Papiergeld  einen  solchen  Verkehrsfortschritt  darstellt,
daß  ich  tief  bedauern  würde,  uns  unter  dem  Einfluß  von  Vorurteilen  zu
einem  weniger  fortgeschrittenen  System  zurückkehren  zu  sehen“  (S.  586).
Wenn  es  wahr  ist,  daß  die  Einführung  der  Edelmetalle  als  Geldform  einen
*1°  großen  Fortschritt  vorstellte,  „so  lehrt  uns  die  Entwicklung  auf  Grund
c  er  Erfahrung  und  Einsicht,  daß  noch  ein  weiterer  Schritt  zu  tun  ist,  und
j  a ß  man  ihnen  (den  Edelmetallen)  die  Aufgabe,  die  sie  in  weniger  ereuchteten
  Zeiten  mit  so  großem  Vorteil  erfüllt  haben,  nehmen  muß“
(b.  586).  Auch  weist  er  darauf  hin,  daß,  wenn  das  Metallgeld  allein  vorhanden ­
  wäre,  der  Fall  eintreten  könnte,  „daß  seine  Menge  sich  nicht  im
gleichen  Verhältnis  mit  dem  Wachstum  der  Bevölkerung  vermehren  und
p.  0 %edessen  verteuern  könne,  wodurch  ein  Preissturz  herbeigeführt  würde.
. !,,c  vorsichtige  Ausgabe  von  Papiergeld,  die  sich  nach  dem  Wachstum
p  daf ür  bestehenden  Bedürfnisses  regelt,  würde  dieser  Gefahr  begegnen.“
ist  daher  so  wenig  geneigt,  das  Papiergeld  aufzugeben,  um  auf  das
ein  v!  ’ s *  unn ötig  zu  bemerken,  daß  das  gleiche  Heilmittel,  auch  heute  wieder,
ein  0l * len  wird ’  ura  den  enormen,  während  des  Krieges  entstandenen  Notenumlauf
Na? USCllrärilCen  ^3  Milliarden  Fr.  im  Februar  1919):  eine  Inflation,  in  der  die  meisten
ü J? nalökonomen >  gleich  Ricaedo,  die  Ursache,  wenigstens  eine  der  Ursachen,  des
-  icuren  Hochstandes  der  Preise  erblicken.
            
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