Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

wahrscheinlich  von  den  übertriebenen  Krediten,  die  den  neueröffneten
Märkten  Südamerikas  gewährt  worden  waren,  den  Zusammenbruch  von
70  Provinzbanken  in  England,  zog  zahllose  Bankerotte  nach  sich  und
hatte  ihre  Rückwirkung  auf  mehrere  benachbarte  Länder.  Seitdem  treten
die  Krisen  mit  einer  wenn  nicht  absoluten,  so  doch  wenigstens  höchst
bemerkenswerten  Regelmäßigkeit  in  mehr  oder  weniger  kleinen  Zwischenräumen ­
  im  ganzen  Verlauf  des  19.  Jahrhunderts  auf  und  erstrecken  sich
über  immer  größere  Regionen,  je  nachdem  sich  die  Herrschaft  der  großen
Industrie  ausbreitet.  Lag  hierin  kein  Grund,  sich  zu  fragen,  ob  das  ganze
wirtschaftliche  System  unter  seiner  glänzenden  Außenseite  nicht  irgendeinen ­
  tiefen  Fehler  verbarg,  und  ob  die  Gesellschaft  nicht  in  alle  Zukunft
hinein  dazu  verurteilt  sein  sollte,  für  ihre  Fortschritte  in  der  Industrie
durch  solche  periodischen  Zuckungen  zu  büßen?
Der  Pauperismus  und  die  wirtschaftlichen  Krisen  sind  die  beiden
Tatsachen,  die  sich  im  selben  Augenblick,  in  ■  dem  die  wirtschaftliche
Freiheit  ihre  ersten  Triumphe  feiert,  der  Aufmerksamkeit  aufdrängen
und  die  seitdem  beständig  die  Meinungen  beschäftigen.
Sie  werden  von  nun  an  ohne  Unterlaß  von  den  verschiedensten  Schriftstellern ­
  gegen  die  neue  Ordnung  ins  Treffen  geführt  und  zerstören  nach
und  nach  in  vielen  die  Zuversicht  in  die  Richtigkeit  der  Lehren  Adam
Smith’s.  Bei  zahlreichen  philanthropischen  und  christlichen  Schriftstellern ­
  rufen  sie  nur  eine  sentimentale  Entrüstung  hervor,  einen  starken
Protest  der  Menschlichkeit  gegen  ein  so  unerbittliches  System,  Quelle
so  vielen  Elends  und  einer  solchen  Menge  von  Unglück.  Andere  —  die
Sozialisten  —  gehen  in  ihrer  Kritik  viel  weiter,  greifen  die  Einrichtung
des  Privateigentums  an  und  verlangen  den  vollständigen  Umsturz  der
Gesellschaft.  Alle  aber  verwerfen  einstimmig  die  Idee  einer  selbsttätigen
Harmonie  der  Privat-  und  der  Allgemein-Interessen,  als  unvereinbar  mit
den  Tatsachen,  die  wir  soeben  ausgeführt  haben.
Unter  diesen  Schriftstellern  nun  hat  keiner  den  Einfluß  dieser  Tatsachen ­
  stärker  gefühlt,  als  Sismondi 1 ).  Für  ihn  gipfelt  das  ganze  Interesse
der  Nationalökonomie,  vom  theoretischen  Standpunkt  aus,  in  einer  Erklärung ­
  der  Krisen;  —  vom  praktischen  Gesichtspunkt  aus,  in  den  Mitteln,
ihnen  entgegenzuwirken,  und  die  Lage  der  Arbeiter  zu  verbessern.  Kein
anderer  Schriftsteller  hat  mit  größerer  Aufrichtigkeit  die  Erklärung  und
das  Heilmittel  gesucht.  Er  steht  so  an  der  Spitze  einer  Reihe  von  National-')

  Sismondi  war  nicht  Franzose,  sondern  Genfer,  obgleich  seine  ursnrünglich
der  AufhebuST| lh V! C !-V m  16 ’  'Jahrhundert  nach  Frankreich  geflüchtet  hatte.  Nach
177^o  h  g  d w  Edlk ,  V ° n  NanteS  begab  sie  Slch  nach  Genf -  Port  wurde  Sismondi
durch g S e,n! n w  E . r  WUrd< i  mehr  noch  als  durch  seine  volkswirtschaftlichen  Arbeiten
Franc^U  i  * d \ S  R6 P ubli q ues  italiennes  und  seine  Histoire  des
SphlnB  rnrmtf  &  gehörte  zu  den  Stirnen  Gästen  der  Frau  v.  StAiäL  auf  ihrem
oß  toppet,  wo  er  auch  mit  Robert  Owen  zusammentraf.  Er  starb  1842.
            
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