188
Zweites Buch. Die Gegner.
wahrscheinlich von den übertriebenen Krediten, die den neueröffneten
Märkten Südamerikas gewährt worden waren, den Zusammenbruch von
70 Provinzbanken in England, zog zahllose Bankerotte nach sich und
hatte ihre Rückwirkung auf mehrere benachbarte Länder. Seitdem treten
die Krisen mit einer wenn nicht absoluten, so doch wenigstens höchst
bemerkenswerten Regelmäßigkeit in mehr oder weniger kleinen Zwischenräumen
im ganzen Verlauf des 19. Jahrhunderts auf und erstrecken sich
über immer größere Regionen, je nachdem sich die Herrschaft der großen
Industrie ausbreitet. Lag hierin kein Grund, sich zu fragen, ob das ganze
wirtschaftliche System unter seiner glänzenden Außenseite nicht irgendeinen
tiefen Fehler verbarg, und ob die Gesellschaft nicht in alle Zukunft
hinein dazu verurteilt sein sollte, für ihre Fortschritte in der Industrie
durch solche periodischen Zuckungen zu büßen?
Der Pauperismus und die wirtschaftlichen Krisen sind die beiden
Tatsachen, die sich im selben Augenblick, in ■ dem die wirtschaftliche
Freiheit ihre ersten Triumphe feiert, der Aufmerksamkeit aufdrängen
und die seitdem beständig die Meinungen beschäftigen.
Sie werden von nun an ohne Unterlaß von den verschiedensten Schriftstellern
gegen die neue Ordnung ins Treffen geführt und zerstören nach
und nach in vielen die Zuversicht in die Richtigkeit der Lehren Adam
Smith’s. Bei zahlreichen philanthropischen und christlichen Schriftstellern
rufen sie nur eine sentimentale Entrüstung hervor, einen starken
Protest der Menschlichkeit gegen ein so unerbittliches System, Quelle
so vielen Elends und einer solchen Menge von Unglück. Andere — die
Sozialisten — gehen in ihrer Kritik viel weiter, greifen die Einrichtung
des Privateigentums an und verlangen den vollständigen Umsturz der
Gesellschaft. Alle aber verwerfen einstimmig die Idee einer selbsttätigen
Harmonie der Privat- und der Allgemein-Interessen, als unvereinbar mit
den Tatsachen, die wir soeben ausgeführt haben.
Unter diesen Schriftstellern nun hat keiner den Einfluß dieser Tatsachen
stärker gefühlt, als Sismondi 1 ). Für ihn gipfelt das ganze Interesse
der Nationalökonomie, vom theoretischen Standpunkt aus, in einer Erklärung
der Krisen; — vom praktischen Gesichtspunkt aus, in den Mitteln,
ihnen entgegenzuwirken, und die Lage der Arbeiter zu verbessern. Kein
anderer Schriftsteller hat mit größerer Aufrichtigkeit die Erklärung und
das Heilmittel gesucht. Er steht so an der Spitze einer Reihe von National-')
Sismondi war nicht Franzose, sondern Genfer, obgleich seine ursnrünglich
der AufhebuST| lh V! C !-V m 16 ’ 'Jahrhundert nach Frankreich geflüchtet hatte. Nach
177^o h g d w Edlk , V ° n NanteS begab sie Slch nach Genf - Port wurde Sismondi
durch g S e,n! n w E . r WUrd< i mehr noch als durch seine volkswirtschaftlichen Arbeiten
Franc^U i * d \ S R6 P ubli q ues italiennes und seine Histoire des
SphlnB rnrmtf & gehörte zu den Stirnen Gästen der Frau v. StAiäL auf ihrem
oß toppet, wo er auch mit Robert Owen zusammentraf. Er starb 1842.