gewerkschaften zugrunde, wenn sie eine neue Maschine nur dann annehnren,
wenn ihnen eine Verminderung der Arbeitszeit und eine Erhöhung
des Lohnes zugesichert wird.
Auf die Produktion und die Maschinen angewandt, führt die Methode
Sismondi’s dazu, hier ganz anders als die Klassiker zu urteilen. Ebenso
auch in bezug auf die Konkurrenz.
Adam Smith hatte geschrieben: „Im Allgemeinen gewährt jeder
Geschäftszweig oder jede Arbeitsteilung, wenn sie dem Publikum Vorteil
bringt, immer einen um so größeren, je freier und allgemeiner die Konkurrenz
ist 1 ).“ Sismondi bestreitet die Richtigkeit dieses Satzes und
führt hierfür zwei Gründe von verschiedener Beweiskraft an.
Der erste beruht auf der ungenauen Idee, die wir schon oben angetroffen
haben, nach der kein Fortschritt in der Produktion von Nutzen
ist, wenn ihm keine verstärkte Nachfrage vorausgeht. Die Konkurrenz
ist wohltätig, wenn sie die Unternehmer dazu anspornt, die Erzeugnisse
zu vermehren, um einer steigenden Nachfrage zu genügen. Im entgegengesetzten
Falle ist sie vom Übel. Denn wenn der Verbrauch stationär
bleibt, so ist die einzige Wirkung der Konkurrenz, einem geschickteren
Unternehmer oder eihem, dessen Kapitalien größer sind, zu gestatten,
seine Konkurrenten durch den niederen Preis zu ruinieren und sich ihrer
Kundschaft zu bemächtigen; das Publikum hat aber keinen Vorteil davon,
und nur zu oft bietet die Wirklichkeit dieses Bild; der Industrielle richtet
sich nicht nach dem möglichen Vorteil der Allgemeinheit, sondern einzig
und allein nach den Möglichkeiten, die sich ihm bieten, seinen persönlichen
Gewinn zu vergrößern.
Auch hier unterliegt das Argument Sismondi’s der gleichen, soeben
nusgeführten Kritik: indem die Wohlfeilheit der Produkte einen Teil des
Einkommens frei setzt, schafft sie für andere Produkte eine erhöhte Nachfrage
und macht so das Übel, das sie hervorgerufen hat, wieder gut. Die
Konzentration der Industrie hat für die Gesellschaft die gleichen Vorteile
wie die Maschinen, und ihre Verteidigung stützt sich auf dieselben Gründe.
Sismondi hat aber gegen die Konkurrenz ein weiteres eindruckvolleres
Argument. Die Jagd nach der Wohlfeilheit, bemerkt er, bringt
die Unternehmer dazu, nicht nur an den Dingen, sondern auch an den
Menschen so viel wie möglich zu sparen. Überall hat die Konkurrenz
es dazu gebracht, daß die Fabriken Kinder und Frauen, anstatt erwachsene
Männer, beschäftigen. Um aus diesen Menschenkräften den größtmöglichen
Ertrag zu erzielen, haben einzelne Unternehmer sie zu einer übermäßig
ungreifenden Arbeit bei Tag und Nacht gezwungen und zahlen ihnen
uls Gegenwert nur einen ganz erbärmlichen Lohn. Wozu aber nun die
unter solchen Bedingungen erzielte Wohlfeilheit? Der magere Vorteil,
den die Öffentlichkeit davon hat, wird durch den Verlust an Kraft und
l ) Völkerreichtum I, S. 194, B. II, Kap. II, am Ende.
Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule.