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Zweites Buch. Die Gegner.
Nicht, daß sie bisher noch nicht erörtert worden wäre. Die kommunistischen
Utopien, seit Plato und Morus bis zu den egalitären
Schriftstellern des 18. Jahrhunderts, Mably, Morelly, Godwin, Babeuf,
beruhen alle auf einer Kritik des Eigentums. Aber alle diese Schriftsteller
haben sich mehr auf den Gesichtspunkt der Moral, als auf den
der Volkswirtschaft gestellt 1 ). Der kennzeichnende Zug des Saint-Sider
Rente ruinierten zahllose Existenzen, aber die Absicht, das Eigentum zu achten,
bleibt deshalb nicht weniger unbestreitbar. Anscheinend haben in dieser Hinsicht
die Männer der Revolution unter dem Einfluß der Physiokraten gestanden, deren
Kultus des Eigentums wir kennen. Sollte man nicht glauben, daß der 17. Artikel der
„Declaration des Droits de l’Homme“ aus der Feder eines Physiokraten stamme:
„Das Eigentum ist ein unverletzliches und heiliges Recht!“ Es ist jedoch wahr,
daß auch Rousseau den.gleichen Gedanken in seinem Aufsatz über ficonomie Politique
Ausdruck gegeben hatte, als er schrieb: „Das Eigentumsrecht ist das heiligste
aller bürgerlichen Rechte.“
Aber nicht nur in Hinsicht auf die Frage des Eigentums hat sich die Revolution
von 1789 anti-sozialistisch gezeigt. Sie war es auch in dem Sinne, daß sie nicht an den
Klassenkampf gedacht hat, und ebensowenig an einen Interessengegensatz zwischen
Proletariern und Kapitalisten, sondern nur Bürger kennen wollte, die alle gleich, alle
gleichberechtigt, alle Brüder wären.
Diejenigen aber, die sich heute am heftigsten auf den Geist der Revolution berufen,
möchten nicht, daß diese Feststellung sie in irgendetwas verkleinere. Daher
bemühen sie sich auch, nachzuweisen, daß sie trotzdem nicht so konservativ, noch so
individualistisch gewesen sei, wie man sagt: so entdecken sie hier und da, allerdings
nach vielem Suchen, einige sozialistische Kundgebungen in den Dekreten über den
Höchstpreis der Lebensmittel, wie in dem über die Verpflegung (decret de Maximum,
decret de rationnement) usw., gewöhnlich begnügen sie sich aber damit, mildernde
Umstände anzuführen. „Wie sollte man dazu gekommen sein, am Ende des 18. Jahrhunderts
Probleme zu lösen, die erst ein halbes Jahrhundert später, infolge der Umformung
der Industrie sich einstellten, Probleme, die sich aus den neuen Bedingungen
des Kapitals und des Lohnsystems ergaben? Würde es nicht für die Männer von 1789
und 1793 ein sinnloses Unternehmen gewesen sein, sie im voraus regeln zu wollen?“
(Aulard, Ansprache an die Studenten, 21. April 1893). Vgl. auch im Kapitel VIII
seiner Histoire politique de la Revolution (Paris, 1901) den Absatz über:
Sozialismus.
Wie man weiß, gab es jedoch während der Revolution eine kommunistischsozialistische
Lehre und sogar eine kommunistisch-sozialistische Verschwörung, die
des Francois Babeuf. Aber die Ausnahme bestätigt hier die Regel, denn Babeuf,
obgleich er sich selbst den damals sympathischen Namen Cajus Gracchus beigelegt
hatte, fand unter den Männern der Konvention, sogar unter denen des Berges, keine
Anhänger, so daß er unter dem Directoire verurteilt und hingerichtet wurde. Diese
Verschwörung Babeuf’s ist gerade deshalb interessant, weil sie wie eine Art zu früh
gekommenen Protestes des revolutionären Sozialismus gegen die bürgerliche Revolution
erscheint. Vgl. Aulard (op. cit.) S. 627 u. ff.
1 ) Ohne von den berühmten Utopien Plato’s, Thomas Morus’ oder Campanella’s
zu sprechen, haben doch eine Reihe Schriftsteller, die Lichtenberger eingehend studiert
hat, diese Kritik im 18. Jahrhundert unternommen. Morelly, Mably, Brissot und
der Cure Meslier in Frankreich, Godwin in England haben energisch gegen das Eige n "
tum Protest erhoben. Ihre Theorien sind alle von Gracchus-Babeuf zusammengefaßt
worden, der 1796 das Verbrechen, die Verwirklichung der Sociötö des figaux angestrebt