242
Zweites Buch. Die Gegner.
Simon“ 1 ), „scheint es, daß, was für Umwälzungen auch in den Gemein
wesen auf treten mögen, das Eigentum davon stets unberührt bleiben
muß; daß das Eigentum eine unabänderliche Tatsache bleibt.“ — Nichts
ist aber in Wirklichkeit falscher: „Das Eigentum ist eine soziale
Tatsache, die wie alle anderen sozialen Tatsachen dem
Gesetz des Fortschritts unterworfen ist. Es kann daher in
verschiedenen Epochen verschieden verstanden, definiert
und gesetzlich geordnet werden“ 2 ). Damit ist schon im voraus der
Grundsatz, auf den sich nach ihnen alle Reformatoren stützen sollten,
formuliert worden. Der belgische Nationalökonom de Laveleye, der
von allen Volkswirtschaftlern diese Fragen am gründlichsten wissen
schaftlich untersucht hat, drückt sich 40 Jahre später in seinem
Werk über die Urformen des Eigentums in fast den gleichen Aus
drücken aus 3 ).
Und wenn wir, fügen die Saint-Simonisten hinzu, die Entwick
lung in der Vergangenheit betrachten, so konstatieren wir gerade, daß
sie bestrebt ist, sich in dem Sinn, den wir vorschlagen, zu organisieren.
Am Anfang schließt das Eigentum sogar die Menschen auf Grund der
Sklaverei ein. Nach und nach wird das Recht des Herren an den Sklaven
Beschränkungen unterworfen. Zum Schluß verschwindet es vollständig-
Was die Sachgüter anlangt, auf die das Eigentum nunmehr beschränkt
ist, so verfügt der Besitzer zunächst nach seinem Belieben darüber. Dann
mischt sich die öffentliche Macht ein und zwingt den Vater dazu, den
ältesten Sohn zu seinem Erben zu machen. Zum Schluß verordnet die
französische Revolution eine gleichmäßige Erbschaftsteilung zwischen
den Kindern und vermehrt so diejenigen, die von den Produktionsmitteln
profitieren. Heute verringert der sinkende Zinsfuß allmählich den Vor
teil des Eigentümers an dem Produktionsmittel und sichert so dem Ar
beiter einen immer größeren Anteil am Produkt 4 ). Ein letzter Schritt
bleibt noch zu tun übrig, und gerade ihn kündigen die Saint-Simonisten an:
allen Arbeitern ein gleiches Recht am Gebrauch der Produktionsmitteln
zu sichern, und dadurch jeden Menschen zum Eigentümer zu machen,
4 ) Doctrine, S. 179.
s ) Ebenda, S. 179.
3 ) „Ein anderer, ebenfalls recht verbreiteter Fehler ist, daß man vom Eigentum
spricht, als ob es eine Einrichtung wäre, die eine feste und stets gleich gebliebene Form
habe, während es doch in Wirklichkeit die verschiedensten Formen angenommen hat
und auch heute noch einschneidender und unvorhergesehener Veränderungen fähig
ist“ (Laveleye, De la propri6t6 et de ses formes primitives, 1. Ausg. 18‘ 4,
S. 381). — In einem Brief vom 17. Nov. 1872 beglückwünscht Stuart Mill Laveleye
gerade zu diesem Nachweis (Ebenda, Vorwort, XIII).
4 ) Dieses Argument ist besonders bemerkenswert, da es seitdem von den liberalen
Volkswirtschaftlern sehr oft wieder aufgenommen ist. Auch werden wir es bei Bastia
wiederfinden. Die Saint-Simonisten sitzen beständig auf beiden Stühlen, dem Eib e
ralismus und dem Sozialismus.