Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

hervorbringen;  und,  wenn  er  sich  dieses  eingebildete  Erzeugnis  bezahlen
läßt,  so  erhält  er  tatsächlich  Etwas  für  Nichts“ 1 ).
Hierin  liegt  der  Diebstahl.  Deshalb  definiert  er  das  Eigentum:
„Als  das  Hecht,  nach  Belieben  von  dem  Besitz,  den  Erzeugnissen  des
Fleißes  und  der  Arbeit  Anderer  Vorteile  zu  ziehen  und  darüber  zu  verfügen“ ­
 2 ).
Das  Thema  ist  nicht  neu.  Nach  Proudhon  wird  es  noch  oft  aufgegriffen, ­
  unter  anderen  von  Rodbertus.  Die  Originalität  des  Buches
beruht  daher  auch  nicht  so  sehr  auf  den  Gedanken  als  auf  der  sprühenden
Darlegung,  der  Kraft  des  Stiles  und  der  Schärfe  der  Polemik,  die  sich
gegen  die  alten  Argumente  derer  richtet,  die  das  heutige  Eigentum  auf
die  Arbeit,  das  natürliche  Recht  oder  die  Besitzergreifung  gründen.  Ein
deutscher  Schriftsteller  hat  sagen  können 3 ),  daß  dieses  Buch,  wenn  es
in  Deutschland  oder  in  England  erschienen  wäre,  kein  Aufsehen  erregt
hätte,  weil  in  diesen  Ländern  das  Eigentum  hinter  viel  wissenschaftlicheren ­
  Gründen  verschanzt  sei  als  in  Frankreich 4 ).  Seine  ganze  Kraft
käme  von  der  Schwäche  der  gegnerischen  Gründe.  Das  heißt  sein  Verdienst ­
  ungebührlich  herabsetzen.  Die  Denkschrift  über  das  Eigentum
war  der  „Pistolenschuß“  auf  der  Straße,  der  jeden  zwingt,  sich  umzudrehen. ­
  Sie  tat  für  den  französischen  Sozialismus  nur  das,  was  Lassalle
später  für  den  deutschen  Sozialismus  getan  hat.  Sie  hat  Gedanken  in  die

')  1  ropriötfi,  1 er  Mömoire,  S.131—132.  In  der  Stelle,  die  wir  anführen,  setzt
Proudhon  allerdings  noch  dazu,  daß  die  Arbeit  ohne  Kapital  und  ohne  Grundbesitz
unproduktiv  sein  würde.  Er  vergißt  aber  diese  Einschränkung  sogleich  wieder  in  den
Schlüssen,  die  er  aus  dem  Vorhergehenden  zieht  und  vergißt  sie  noch  mehr  in  seinem
Projekt  einer  rauschbank,  wo  man  lesen  kann:  „Die  Prinzipien  dieser  Gesellschaften
sind:  daß  dem  Menschen  alle  Rohstoffe  umsonst  von  der  Natur  geliefert  werden;  —
daß  daher  im  V  irtschaftsleben  jedes  Erzeugnis  aus  der  Arbeit  stammt,  und  daß  daher
umgekehrt  jedes  Kapital  unproduktiv  ist“  —  und  an  anderer  Stelle:  „Arbeiten  ist,
aus  Nichts  Etwas  erzeugen“  (Solution  du  problöme  social  CEuvres,  Bd.  VI,
S.  261  ff.  und  S.  187).
■)  Proprißte,  1 er  Mfsmoire,  S.  133.
3 )  L.  v.  Stein,  Geschichte  der  sozialen  Bewegung  in  Frankreich,
Leipzig  18o0,  Bd.  III,  S.  362.  Dieses  Werk  ist  übrigens  äußerst  bemerkenswert.
4 )  Wahr  ist,  daß  Proudhon  sich  zur  Bekämpfung  des  Eigentums  einzig  auf  den
Rechtsstandpunkt  stellte.  Erwies  nach,  daß  alle  Rechtsprinzipien  (Recht  der  Besitzergreifung, ­
  natürliches  Recht  und  besonders  die  Arbeit),  die  im  Allgemeinen  zugunsten
des  Eigentums  angeführt  werden,  sich  gegen  das  Eigentum  anwenden  lassen,  so  wie
es  heute  besteht.  Dieses  Eigentum  ist  in  der  Tat  auf  einige  Personen  beschränkt,
während  diesen  Prinzipien  die  Verallgemeinerung  des  Eigentums  unter  Alle  zugrunde ­
  liegt.  Eine  derartige  Kritik  ist  allerdings  richtig,  beweist  aber  nicht  viel  geg en
die  (zahlreichen)  Verteidiger  des  Eigentums  infolge  seiner  sozialen  Nützlichkeit.  Daher
erscheint  uns  die  Kritik  des  Eigentums  der  Saint-Simonisten,  die  sich  auf  den  Standpunkt ­
  der  Nützlichkeit  und  der  Produktion  stellten,  ohne  den  rechtlichen  zu  vernachlässigen, ­
  bedeutend  gewichtiger.  Aus  diesem  Grunde  betrachten  wir  sie  als  die  wirklichen ­
  Kritiker  des  Privateigentums.
            
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