Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848. 
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2. Man hat die Bank Proudhon’s noch mit anderen sehr verschie 
denen Tauschbanken verwechselt, deren Idee kurz vor ihm aufgekommen 
war, und die zu zahlreichen praktischen Verwirklichungen Anlaß gaben. 
Diese Banken beabsichtigten nicht, die Zinsen abzuschaffen, sondern 
die Verbraucher und Produzenten einander näher zu bringen, indem 
sie selbst einkauften, alle ihnen angebotenen Waren in gegenseitigem 
Übereinkommen bewerteten und mit Tauschbons bezahlten. Die Käufer 
würden ihrerseits zu der Bank kommen, um die ihnen notwendigen Gegen 
stände zu erwerben, die sie mit Tauschbons bezahlen. Ein gewisser 
Dulcrand Mazel 1 ) hat einen Versuch dieser Art im Jahre 1829 gemacht. 
In diesem Falle war die Bank nur eine Niederlage, die dem Produzenten 
das Auffinden von Absatzgebieten erleichtern sollte. Ein derartiges 
System leidet an dem Mangel, daß der Wert der in Zahlung gegebenen 
Dons notwendigerweise mit den Preisschwankungen steigen oder fallen 
muß, die in der Zeit zwischen der Zahlung durch die Bank und dem An 
kauf durch den Verbraucher eintreten. Proudhon jedoch will gerade, 
daß die Bank nur die Effekten diskontiert, die schon gelieferte oder 
gekaufte Waren vorstellen. Sie soll nur den schon versprochenen Preis 
v orstrecken, aber nicht sich mit dem Absatz der Waren befassen. 
l ) Mazel hat seine Gedanken in einer Reihe von Broschüren dargelegt, die, in 
einem äußerst schwülstigen Stil geschrieben, wirklich nicht das geringste Interesse 
f ür die Nationalökonomie haben. 1838 wurde in Marseille eine andere Bank, die banque 
Bonnard gegründet, die sich später in Paris etablierte. Die Prinzipien, die ihr zu 
grunde lagen, waren ungefähr dieselben, wenn auch praktischer: sie besteht heute 
noch. Proudhon spricht von ihr in der Capacite politique des classes ouvriercs, 
Poürcblle-Senrdio lobt sie außerordentlich in seinem Traitö des Banques, wie auch 
m einem, im April 1853 im Journal des ficonomistes erschienenen Aufsatz, ihr 
Betrieb ist in drei Broschüren, die sich in der Bibliotheque Nationale befinden. Klar 
gelegt: die eine ist eine Liste des articles disponibles ä la Banque, die beiden 
anderen behandeln den Mechanismus der genannten Bank. Darimon (ein bcnuier 
Broudhon’s) hat die Beschreibung einer großen Anzahl ähnlicher Banken, io wa ren 
dieser Periode gegründet wurden, in seinem Werk De la reforme des anques 
(Baris, Guillaumin, 1856) gegeben. Viele dieser Systeme sind vor kurzem von Aucuv 
■n seinem Systömes socialistes d’öchange (Paris 1907) besprochen und dargelegt 
worden. Wir stimmen jedoch mit den Ausführungen dieses Schriftstellers in versch o- 
enen Punkten nicht überein. „ , a , ; j ß 
, Die Bank Bonnard unterschied sich von allen anderen Systemen darin daß 
^er Kunde der Bank, — anstatt ihr eine Ware (deren Verkauf stets unsicher st) zu 
Gingen, und dafür den Preis in Papierbons zu erhalten, — un Gegenteil von der Ban 
sogleich eine nützliche Ware erhielt, und dafür einen Wechsel unterschrieb, mit dem 
er sich verpflichtete, ein Erzeugnis seiner Fabrikation zu liefern, sobald die Bank es 
von ihm verlangen würde, Für jedes Geschäft erhob die Bank eine Kommission in 
U . r - - Sie hatte keinen anderen Zweck, als Käufer und Verkäufer m Berührung zu 
bringen, und die unterschriebenen Bons waren nichts anderes, als Wechsel die in 
Natura zahlbar waren, aber keineswegs ein Ersatz für Banknoten (vgl Banque 
l^ ha nge de Marseille C. Bonnard et Cie fondee par acte du 10 janvier 
1849 - Notaire Raynouard, Marseille, 1849, Broschüre, 24 Seiten).
	        
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