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Drittes Buch. Der Liberalismus.
besteht, so drückt sich jede Wertverminderung durch eine stetige Wertverminderung
des Eigentums aus.
Daraus zieht Bastiat den folgenden Schluß, der „der Wissenschaft
eine ganz erstaunliche Tatsache enthüllen wird, und der, wenn ich mich
nicht irre, bisher unbemerkt geblieben ist“ 1 ), daß nämlich in jeder fortschreitenden
Gesellschaft der gemeinsame unentgeltliche Anteil beständig
wächst, während der kostende und mit Beschlag belegte Teil stetig geringer
wird. Die heutige Gesellschaft ist schon, ohne es zu wissen, kommunistisch
und wird es mit jedem Tage mehr!
Der Gedanke ist allerdings sehr schön. Er zeigt uns das Privateigentum
wie Inseln, die von einem weiten Meere des Gemeineigentums umspült
sind, und, was noch mehr besagt, von einem Meere, das stetig steigt
und ohne Aufhören ihre Küsten wegschwemmt und ihre Oberfläche verringert.
Sollte die Arbeit jemals allmächtig werden, sollte nämlich die
Wissenschaft dazu gelangen, die Anstrengung auszuschalten, so würde
an diesem Tage die letzte Eigentumsinsel unter dem steigenden Niveau
des unentgeltlichen Nutzens verschwunden sein. Und so ruft Bastiat
triumphierend aus: „Kommunisten, ihr träumt vom Gemeineigentum?
Ihr habt es ja schon! Die soziale Ordnung macht ja alle Befriedigungsmittel
zum Gemeineigentum unter der Bedingung, daß der Tausch der
angeeigneten Werte frei sei.“ 2 )
Aber Bastiat, der so viel gegen die Sophismen gekämpft hat, neigt e
selbst sehr dazu, sie zu gebrauchen. Wenn man tiefer in diese bestechende
Darlegung eindringt, so findet man einfach die Behauptung, daß es überhaupt
keine Bodenrente gibt, da der Wert aller Erzeugnisse, unter Einschluß
derjenigen, die man Naturprodukte nennt, niemals die Produktionskosten
übersteigt, — und daß dieser Wert sogar beständig geringer wird,
weil die Produktionskosten die Tendenz haben, sich zu verringern.
Diese Behauptung ist aber ohne Stütze: der Beweis ist durchaus
nicht erbracht, daß die Erzeugnisse des Bodens dem Gesetze der Ko»'
kurrenz unterliegen, deren Wirkung wäre, ihren Wert auf das Niveau der
Produktionskosten herabzudrücken, und noch weniger, daß ihr Wer*
auf das Niveau der Minimalproduktionskosten herabgedrückt wird. Sein 6
Auseinandersetzung widerlegt daher weder die Theorie der Monopolrente,
noch die der Differentialrente. Soviel ist gewiß richtig, daß die Natur
den Wert nicht schafft und keine Zahlung verlangt. Heute nimmt auch
niemand mehr an, daß in dem Preis der Kohle oder des Getreides em
Pfennig enthalten sei, der die Wärme spendenden Eigenschaften des einen
oder die nahrhaften des anderen bezahlen solle. Wenn es aber wahr ist,
daß die Natur nichts fordert, so ist es doch nicht wahr, daß auch <m r
Besitzer nichts weiter als die Rückerstattung seiner Auslagen an Müh e
*) Harmonies, Kap. VIII, S. 256.
2 ) Harmonies, Kap. V, S. 142.