Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  historische  Schule  und  der  Streit  über  die  Methoden.  427

§  2.  Die  kritischen  Ideen  der  historischen  Schule.
Man  sieht,  wie  zahlreich  die  Schriftsteller  sind,  die  sich  zur  historischen ­
  Schule  rechnen,  und  über  welche  große  Zeitperiode  sich  ihre  Entwicklung ­
  erstreckt.  Bei  einer  so  bedeutenden  Anzahl  von  Gelehrten
kann  man  eine  vollständige  Übereinstimmung  der  Ansichten  nicht  erwarten. ­
  Wir  haben  schon  auf  gewisse  Unterschiede  hingewiesen,  die  im
besonderen  die  alte  von  der  „jungen“  historischen  Schule  scheiden.  Wir
können  hier  nicht  eine  jede  dieser  Nuancen  darlegen  und  diskutieren,
sondern  müssen  uns  damit  begnügen,  die  Grundideen  der  historischen
Schule  zur  Kenntnis  zu  bringen,  in  denen  ihre  sämtlichen  Anhänger  fast
durchaus  übereinstimmen.  Hin  und  wieder  werden  wir  jedoch  auf  die
besonderen  Ideen  des  Einen  oder  des  Anderen  hinweisen,  wenn  sie  uns.  von
genügender  Bedeutung  erscheinen.
Die  deutsche  historische  Schule  hat  mit  einer  Kritik  der  klassischen
Ökonomik  begonnen.  Wir  beginnen  daher  ebenfalls  mit  einer  Darlegung
ihrer  kritischen  Ideen 1 ).
Obgleich  die  kritischen  Ideen  der  historischen  Schule  schon  von
Knies,  Hildebrand  und  Roscher  formuliert  worden  sind,  haben  sie
doch  eine  eingehendere  Diskussion  erst  ziemlich  spät  hervorgerufen,
a l s  die  „junge  historische  Schule“  schon  in  voller  Blüte  stand.  Das  Buch
des  Wiener  Professors  Karl  Menger  (1883),  das  durch  seinen  Stil  wie
auch  durch  den  Scharfsinn  der  darin  entwickelten  Gedanken  wirklich
klassisch  ist  und  den  Titel:  „Untersuchungen  über  die  Methode
der  Sozialwissenschaften“  trägt 2 ),  eröffnet  die  Ära  zuweilen  sehr
scharfer  Meinungskämpfe.  Dieses  bemerkenswerte  Werk,  in  dem  der
''erfasser  die  Berechtigung  der  reinen  Ökonomik  gegen  die  Angriffe  der

x )  ln  dem  kritischen  Werke  der  deutschen  Wstorischen^chule££
mit  dem  wir  uns  hier  nicht  zu  beschäftigen  hä-  en.  ^ en  ethischen  Gesichtshaben
  einige  ihrer  Anhänger,  wie  Hildebrand,  Nachdru  teilt  den  Optimismus
Punkt  in  der  Nationalökonomie  gelegt,  —  u “ d  h  t  so „ ar  dazu  beigetragen,
eines  Smith  oder  Bastiat.  Ihre  Idee  dos  Relativ  s  „  un a  Hildebrand  selbst,
ihn  zu  zerstören.  Aber  die  bedeutendsten  unter  inne  ,  das  Glaubensbekenntnis
bleiben  überzeugte  Jünger  des  liberalen  Systems  (sie  j a 'j ir j )üc j 1 er  für  National-Hildf.brand’s
  am  Anfang  des  ersten  Bandes  u  ,  (Brentano,  Schmoller)  sich
Ökonomie,  1863,  Bd.  I,  S.  3).  Wenn  mehrere  von 1  j“beschlossen  haben,  aus  der  gegen
mehr  oder  weniger  der  großen  Gedankenstromu  g  §  unten),  so  haben  sie  das
das  Jahr  1872  der  Staatssozialismus  entstand  (sie  n  TeJ1  ihres  Werkes  als  die
in  sehr  verschiedenem  Maße  getan.  Niemals  a  ®  ,.  Gedanken  hervorgebracht,
Hauptsache  betrachtet.  Sie  haben  hier  kem ®  .  •  ij eK t  in  ihrer,persönliclien  Aufund
  ihre  Bedeutung  in  der  Geschichte  der  D
fassung  der  wissenschaftlichen  Methode.
4 )  Untersuchungen  über  die
Leipzig  1883,  291  Seiten

)  Untersuchungen  über  die  Methode  der  Sozialwissenschaften,
            
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