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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
§ 3. Die positiven Ideen der historischen Schule.
Wahrscheinlich wären die Kritiken, die die Anhänger der historischen
Schule gegen die Methoden der Klassiker erhoben, nicht so scharf
gewesen, wenn sich in ihnen nicht eine vollständig verschiedene Auffassung
der Rolle und des Zweckes der Nationalökonomie verborgen
hätte. Hinter diesen Kritiken liegt, mehr oder weniger deutlich ein prinzipieller
Gegensatz. Wenn die „junge historische Schule“ heute einige
ihrer Hoffnungen aufgegeben hat, — so träumten doch die ersten Anhänger,
wie wir gesehen haben, von einer vollständigen Erneuerung der
Wissenschaft. In welchem Sinn und auf welche Weise sollte dies nun
geschehen? Es ist von Bedeutung, Klarheit hierüber zu haben. Die positive
Auffassung, die sich die historische Schule von der Ökonomik gemacht
hat, ist für die Geschichte der Doktrinen noch interessanter, als ihre
kritische Leistung. Denn in ihr liegt ein geistiger Gegensatz, den man
zu fast allen Zeiten in der Geschichte unserer Wissenschaft findet.
Das wirtschaftliche Leben kann von zwei verschiedenen Gesichtspunkten
aus betrachtet werden, die man als den mechanischen und
den organischen unterscheiden kann; auf den einen stellen sich die
verallgemeinernden Denker, deren Höchstes die Einfachheit ist; der andere
drängt sich ganz natürlich denen auf, die durch die beständigen Wandlungen
der konkreten Wirklichkeit angezogen werden.
Die ersten Volkswirtschaftler gingen in der Mehrzahl vom mechanischen
Gesichtspunkt aus. Unter der Menge der sozialen Phänomene
haben sie sich meistens begnügt, die zu studieren, die eine im wesentlichen
mechanische Erklärung gestatten. Die Preisschwankungen, das Steigen
und Fallen des Zinsfußes, des Lohnes und der Bodenrente, die Anpassung
der Produktion an die Nachfrage unter der Herrschaft der freien Konkurrenz
erscheinen ihnen als die Wirkungen der fast automatischen Tätigkeit
menschlicher Moleküle, die dem überall identischen Beweggrund
des persönlichen Interesses gehorchen. Die Einfachheit dieser Auffassung
entbehrt nicht der Größe.
Nur ist das so erhaltene Bild des sozialen Lebens außerordentlich
begrenzt. Es vernachlässigt eine große Anzahl von bedeutungsvollen
und interessanten Tatsachen. Der konkrete Ausdruck der wirtschaftlichen
Welt ist in Wirklichkeit außerordentlich verschieden und wechselnd.
Wir können in ihm Einrichtungen aller möglichen Art unterscheiden:
Banken, Handels- und Effektenbörsen; Genossenschaften der Arbeitgeber
und solche der Arbeitnehmer, Handelsgesellschaften und Kooperativgesellschaften;
wir treffen hier auf erbitterte Kämpfe zwischen
der großen und der kleinen Industrie, dem großen und kleinen Handel,
dem großen und kleinen Landbesitz, zwischen sozialen Klassen, zwischen
Individuen, zwischen dem Staat und den Einzelpersonen, zwischen den