Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Die  auf  dem  Christentum  beruhenden  Lehren.

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vom  Gesichtspunkt  des  Katholizismus  und  des  Fortschrittes  aus  —),
und  sogar  der  feurige  Abb6  de  Lamennais  (La  question  du  travail,
1848)  zum  wenigsten  auf  den  Titel  Vorläufer  Anspruch  erheben.  Bekanntlich ­
  war  Btjchez  der  Gründer  der  Produktivgenossenschaften  (1832),
aber  weniger  bekannt  ist,  daß  Lamennais  die  Kreditgenossenschaften
in  ungefähr  derselben  Form  empfohlen  hat,  die  Raiffeisen  in  Deutschland
verwirklichen  sollte 1 ).
Der  jetzige  soziale  Katholizismus  spricht  ungern  von  diesen  seinen
drei  Vorgängern.  Sie  wollten  alle  drei  die  Kirche  der  Revolution  vermählen ­
 2 ).  Heute  begnügen  sich  die  vorgeschrittensten  Katholisch-Sozialen
  mit  dem  Versuch,  sie  der  Demokratie  zu  vermählen;  ein  Programm,
das  Marc  -Sangnier,  der  Gründer  des  Sillon  vor  kurzem  wieder  aufgenommen
  hat.
Wenig  später  predigte  der  Bischof  von  Mainz,  von  Ketteler,  eine
Lehre,  die  mit  den  „falschen  Dogmen  von  1789“  wie  sie  bald  genannt
Werden  sollten,  nicht  das  geringste  mehr  zu  tun  hat,  sondern  die  im  Gegenteil ­
  auf  die  mittelalterlichen  Einrichtungen  zurückgreift:  er,  Und  besonders ­
  seine  Jünger,  der  Domherr  Moufang  und  der  Abbe  Hitze,  schlagen
den  Berufsverband  (l’association  professionelle),  die  Zunft,  als  den  richtigen
Angelpunkt  der  sozial-katholischen  Organisation  vor 3 ).
_  Der  soziale  Katholizismus,  der  in  Frankreich  unter  dem  zweiten
Kaiserreich  geschlummert  hatte,  erwachte  nach  dem  Unglück  von  1870.
Lraf  Albert  de  Mun  trat  an  seine  Spitze  und  gab  ihm  durch  seine  warmherzige ­
  Beredsamkeit  und  wohl  auch  durch  die  Schaffung  von  katho-Lsehen
  Arbeitervereinen  einen  kräftigen  Ansporn.  Zur  gleichen
^eit  erschien  die  Zeitschrift  „l’Association  catholique“,  deren  Programm, ­
  das  sie  getreulich  eingehalten  hat,  die  Untersuchung  aller  wirt-Sc
 haftlichen  Tatsachen  im  Geiste  des  Katholizismus  war.

1 )  Er  bat  in  der  Tat  das  so  fruchtbare  Prinzip  der  Solidarität  zwischen  Schuldnern
a  8  eine  Möglichkeit  für  den  Armen,  die  wirkliche  Sicherheitshinterlegung  zu  ersetzen,
entdeckt.  „Warum  kann  der  Arbeiter  sich  nichts  borgen?  Weil  er  keine  andere  Sicheret ­
  als  seine  zukünftige  Arbeit  anzubieten  hat.  .  .  Damit  aber  diese  zukünftige  Arbeit
e 'n  wirkliches  Pfand  werde,  muß  sie  zu  einer  Sicherheit  werden,  und  sie  wird  es  durch
le  Assoziation.  Die  Solidarität  der  Mitglieder  bringt  die  Ursachen  der  Unsicherheit
Verschwinden,  die,  indem  sie  den  Wert  des  Pfandes  vermindern,  das  Darlehen
abschreckt“  (La  question  du  travail,  S.  25).
,,  „Das  zu  lösende  Problem  besteht  darin,  zu  einem  solchen  Zustande  zu  kommen,
a ß  die  Arbeitenden  in  Zukunft  für  sich  selbst  arbeiten  und  nicht  iür  Andere  .  .  .  Der
,; a S  wird  kommen,  an  dem  keiner  von  dem  Felde  ernten  wird,  wo  er  nicht  gesät  hat,
11  dem  ein  jeder  die  Frucht  seiner  Arbeit  pflücken  wird  ,  Ebenda).
*  2 )  „Der  menschliche  Zweck  des  Christentums  ist  genau  derselbe  wie  der  der
g e V ( dution:  jenes  hat  diese  inspiriert.“  (Buchez,  Traitö  de  la  Politique,  Bd.  II,
3 )  Seine  wichtigsten  Schriften  wurden  gesammelt  und  1864  unter  dem  Titel:
le  Arbeiterfrage  und  das  Christentum  veröffentlicht.
            
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