120
das Herz gebrochen" *). Es kostete auch in Amerika die praktische Er
probung des Verfahrens Vermögen st, aber der Glaube an seine Zukunft
scheute vor noch so großen Opfern nicht zurück, und es gelang schließlich
den ausdauernden eifrigen Bemühungen besonders des amerikanischen
Lederfabrikanten Foerderer st, das Verfahren zu meistern und ein markt
fähiges Produkt zu erzeuzen. Das erste Chromleder * 3 4 * ) trat in der Form
von Chevreauxst, also als Konkurrent des Glaceleders auf den Markt,
und der amerikanische Großkonsum, d. h. also die Schuhfabrikation,
verhielt sich gegen dieses Leder durchaus nicht ablehnend, weil es im
Vergleich zum Kidleder größere Widerstandsfähigkeit gegen Wasser 6 ) und
größere Festigkeit besaß. Vor allen Dingen aber war maßgebend der
Umstand, daß das neue amerikanische Chromziegenleder die amerikanische
Schuhindustrie von einem teueren Importartikel, nämlich vom fran
zösischen Chevreaux, unabhängiger machte 7 ). Die Firma R. H. Foerderer
gerbt nach diesem Verfahren täglich 1200 Dtz. Felle 8 * ), und es hat sich
in der Folge die Chromgerbung auf alle Lederarten ausgedehnt. In
den 90er Jahren kam die Gerbung von Amerika in verbesserter Form
wieder nach Europa; ich habe bei Gelegenheit der Besprechung der
Objekte des Gerbeprozesses darauf hingewiesen, daß Farbenchevreaux in
großem Umfang, Oberleder fast ausschließlich mit Chrom gegerbt werden,
ich habe dort auch bei jeder einzelnen Haut- und Fellart ihre jeweilige
Bedeutung für die Chromgerbung erwähnt.
Wir sehen also aus dieser Entwicklung, wie das Chromleder, welches
seiner ganzen Natur nach, sowie wegen seiner vornehmeren Zurichtung
in Hochglanz vorzüglich zu Feinleder prädestiniert ist st, der Glaceleder
industrie ein weites Feld ihrer Tätigkeit abgenommen hat, und dies
geschieht in immer weiterem Umfange, und zwar in dem Maße, als es
gelingt, einmal dem Chromleder noch hellere oder weiße Nuancen zu
erteilen 10 ), als es aus der Gerbung mitbringt, dann aber auch in dem
Maße, als es gelingt, die Zügigkeit des Glaceleders auch dem Chrom
leder zu geben.
Damit gelangen wir zu einem weiteren Erfolg der gerbetheore
tischen Untersuchungen, nämlich zu den modernen Kombinationsgerbungen.
Der Kernpunkt der Kombinationsgerbung ist, wie bereits
besprochen, der, daß man durch simultane oder successive Gerbung mit
0 Ledermarkt 1904, Nr. 95. 2 ) Gerbercourier 1893, Nr. 21, Beilage.
3 ) Dämmer 1911, Bd. III, S. 929; Ledermarkt 1904, Nr. 95.
st Siehe Gerber 1900, S. 1.
st Siehe Schuh und Leder 1896, Nr. 21 S. 16; 1904, Nr. 15, S. 42.
6 ) Gerber 1900, S. 1. st Ebenda.
st Dämmer 1911, Bd III, S. 929.
st Schuh und Leder 1904, Nr. 15, S. 42.
lst Ledermarkt 1899, Nr. 7, S. 5.