Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

3.  Eine  weitere  Frage:  Warum  gibt  es  auf  dem  Markte  nur  einen
gleichen  Preis  für  gleiche  Gegenstände?  —  Wenn  doch  diese  Nützlichkeit ­
  in  jeder  Einheit  besonders  und  für  jedes  Individuum  subjektiv  in
Betracht  gezogen  werden  soll,  so  scheint  es,  als  ob  es  fast  ebensoviel  verschiedene ­
  Werte,  wie  Einheiten  geben  müsse,  da  eine  jede  sehr  verschiedene
Bedürfnisse  befriedigen  kann.  Warum  hat  daher  in  diesem  Fall  ein  Brot
keinen  anderen  Wert  für  einen  verhungernden  Armen  als  für  einen  satten
Reichen,  oder  sogar  für  mich  selbst  keinen  anderen  Wert,  wenn  ich  hungrig,
als  wenn  ich  satt  bin  ?  —  Einfach  deshalb,  weil  die  Annahme  widersinnig
sein  würde,  daß  identische  und  vertretbare  Güter  verschiedene  Tausch^
werte  auf  demselben  Markte  haben  können  und  dies  in  noch  jhöherem
Maß  für  die  gleiche  Person.  Dieses  Gesetz  des  Einheitspreises *  1 )  beruht
selbst  wieder  auf  einem  anderen  Gesetz,  dem  die  psychologische  Schule
mit  Recht  eine  sehr  große  Bedeutung  beimißt,  und  das  eines  seiner  bedeutendsten ­
  wissenschaftlichen  Errungenschaften  ist,  das  Gesetz  der
Substitution.  Es  bedeutet,  daß  jedesmal,  wenn  zur  Befriedigung  irgendeines ­
  Bedürfnisses  ein  Gut  durch  ein  anderes  ersetzt  werden  kann,  das
ersetzte  nicht  mehr  wert  sein  kann,  als  das  ersetzende 2 ).
Was  ist  nun  eine  Substitution  von  Gütern?  —  Ein  wenigstens  möglicher, ­
  wenn  auch  nicht  stets  ausgeführter  Austausch.  Nun  schließt  aber
jeder  Austausch  die  Gleichheit  der  Werte  ein.
Wenn  es  nun  eine  ganze  Reihe  von  Gütern  gibt,  die  einander  substituiert ­
  werden  können,  so  kann  keins  mehr  Wert  haben,  als  dasjenig e
der  ganzen  Reihe,  das  den  geringsten  Wert  vorstellt.
Dies  ist  der  Grund,  weshalb,  wenn  jeder  Mensch  100  Gläser  Wasser
zu  seiner  Verfügung  haben  kann  —  was  fast  stets  der  Fall  ist,  außer  in
der  Sahara  —,  keins  dieser  Gläser,  und  nicht  einmal  das,  für  welches  icb>
wenn  ich  ganz  verdurstet  bin,  sein  Gewicht  in  Gold  geben  würde,  mehr
als  das  hundertste  Glas  wert  ist,  nämlich  nichts.  Dies  hundertste  i st
immer  da,  stets  bereit,  irgendeines  der  anderen  zu  ersetzen.
Vielleicht  das  beste  Mittel,  sich  eine  klare  Vorstellung  des  Grenzsind.

  Es  ist  natürlich,  daß  die,  die  am  wenigsten  voneinander  entfernt  sind,  zu crs
Zusammenkommen.  Diese  beiden  Austauschenden  nun,  die  so  das  Marktgesetz  f® 8 ^
legen,  nennt  man  „das  Grenzpaar“.
1 )  Stanley  Jevons  gibt  ihm  einen  recht  ausdrucksvollen  Namen:  Das  Gesetz
der  Indifferenz,  was  besagen  will,  daß  zwei  Gegenstände,  mögen  sie  auch  zwei  i®
ihrer  Stärke  höchst  ungleichen  Begierden  entsprechen,  doch  nicht  verschiedene  Wer te
haben  können,  wenn  wir  unterschiedslos  zwischen  ihnen  wählen  können.
z )  Das  Gesetz  der  Substitution  tritt  nicht  nur  in  Erscheinung,  wenn  es  sich  u  ^
verschiedene  Gegenstände  handelt,  die  geeignet  sind,  das  gleiche  Bedürfnis  zu  befn
digen,  sondern  oft  auch,  wenn  es  sich  um  Dinge  handelt,  die  verschiedenen
nissen  entgegenkommen,  soweit  diese  Bedürfnisse  selbst  eins  durch  das  andere
werden  können:  Wein  kann  durch  Tee,  Tee  durch  Kaffee,  das  Leben  in  einem
durch  Reisen  und  Badeaufenthalte  ersetzt  werden.

Bedürfersetzt ­

Schl° ß
            
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