Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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nutzens  zu  machen,  besteht  darin,  niemals  direkt  die  Nützlichkeit  des
Gegenstandes,  den  man  bewerten  will,  ins  Auge  zu  fassen,  sondern  nur
die  des  Gegenstandes,  der  seine  Stelle  einnehmen  kann 1 ).  Dann  erscheint
es  als  völlig  klar,  daß,  wenn  ich  einen  Gegenstand  A  verliere,  an  dem  ich
sehr  hänge,  den  ich  aber  in  jeder  Hinsicht  durch  einen  Gegenstand  B
ersetzen  kann,  A  in  diesem  Fall  nicht  mehr  als  B  wert  ist;  und  wenn  ich
die  Wahl  habe,  ihn  auch  durch  C  zu  ersetzen,  und  daß  C  noch  weniger
als  B  wert  ist,  dann  ist  auch  A  nicht  mehr  als  C  wert.
Wir  gelangen  schließlich  dazu,  dieses  Gesetz,  das  eine  ebenso  große
Tragweite  hat,  wie  nur  irgendein  Gesetz  der  Physik,  wie  folgt  zu  formulieren: ­
  der  Wert  eines  jeden  Gutes  wird  bestimmt  durch  den  am  wenigsten
nützlichen  Gebrauch,  den  man  davon  machen,  durch  die  geringste  Befriedigung, ­
  die  man  daraus  ziehen  kann.
Bis  hierher  haben  wir  gesehen,  wie  der  Begriff  des  Grenznutzens  dazu
dient,  die  Probleme  des  Wertes  und  des  Tausches  zu  lösen.  Wird  ihm
aber  die  gleiche  Eigenschaft  innewohnen,  wenn  man  ihn  auf  andere  Bereiche ­
  der  Volkswirtschaft,  auf  die  der  Produktion,  der  Verteilung  und
des  Verbrauches  überträgt?
Für  die  Hedonisten  unterliegt  das  keinem  Zweifel,  da  alle  Produktions-, ­
  Verteilungs-  und  Verbrauchshandlungen  nur  veränderte  Formen
des  Tausches  sind.
Das  gilt  zunächst  für  die  Produktion.  Warum  regelt  sich  der  Wert
der  Gegenstände  unter  der  Herrschaft  der  freien  Konkurrenz  nach  den
Produktionskosten?  Weil  jede  Ordnung  der  freien  Konkurrenz  auf  Grund
ihrer  Definition  eine  Ordnung  ist,  in  der  ein  jeder  Gegenstand  in  jedem
Augenblick  durch  einen  gleichartigen  Gegenstand  ersetzt  werden  kann,
Uß d  weil  dieser  selbst  nur  das  Ergebnis  einer  gewissen  Umformung  von
Rohstoffen  darstellt.  Das  Gesetz  der  Substitution  tritt  daher  auch  hier
ln  Erscheinung,  und  wenn  die  Produktionskosten  den  Wert  aller  gleichurtigen
  Gegenstände  regeln,  so  beruht  dies  einfach  darauf,  weil  diese  Produktionskosten ­
  in  jedem  Augenblick  den  letzten  der  ersetzbaren  Werte
v or  stellen.
Ebenso  für  den  Verbrauch.  Wie  verteilt  ein  jeder  von  uns  seinen
Verbrauch  oder  seine  Ausgaben?  Selbstverständlich  so,  daß  er  daraus
den  größten  Nutzen  zieht,  nämlich,  das  sie  ihm  das  Maximum  an  Annehmlichkeiten ­
  verschaffen,  das  mit  einem  gegebenen  Einkommen  ver-Gubar
  ist.  Unbewußt  versucht  man  hier  und  da  Änderungen.  Man  verehrt ­
  die  im  Budget  für  die  Wohnung  ausgeworfene  Summe  und  verändert ­
  dafür  die,  die  zur  Beschaffung  der  Nahrung  bestimmt  ist,  oder
Ulan  vermehrt  die,  die  für  Almosen  verwendet  werden  soll,  und  beschneidet

l )  „Der  Nutzen  der  unwichtigsten  Einheit,  die  an  Stelle  der,  die  wir  entbehren,
^ r eten  kann,  wird  von  uns  mit  Grenznutzen  bezeichnet“  (BöHM-BAWERK,The  American
^conomists.  American  Academy  of  political  and  social  Science,  1891).
            
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