Subventionen zu überweisen. Da übrigens die Anhänger dieser Gesell
schaften auf Gegenseitigkeit sich größtenteils unter den Angestellten
und den Mittelklassen finden, haben sie keine irgendwie revolutionär
gerichteten Neigungen und auch nicht den geringsten Plan einer sozialen
Reorganisation.
Vor Allem ist es das Genossenschaftswesen, das infolge seines um
fassenden und vielseitigen Programms das Recht hat, sich als die Ver
wirklichung des Solidarismus zu geben.
Doch zeigt die Kooperation zwei charakteristische Formen, und
zwar auf Grund von gänzlich verschiedenen Programmen, deren End
ziele weit auseinander liegen.
Die ältere Bewegung, in der noch die Überlieferungen der Brüder
lichkeit aus der Zeit von 1848 lebendig sind, ist die der Arbeiter-Pro
duktivgenossenschaften, von denen wir schon gesprochen haben (S. 279).
Sie bemühen sich, die Emanzipation der Arbeiterklasse zu verwirklichen,
indem sie die Organisation der Republik auf die Werkstatt übertragen,
und beginnen zunächst mit dem „Garantismus“, den Sismondi von den
Arbeitgebern verlangte, und den Fourier von der freien phalansteri-
schen Genossenschaft erwartete 1 ). Obgleich ihre Entwicklung ziemlich
stetig gewesen ist, bilden sie doch nur einen winzigen Bruchteil der
Arbeiterklasse.
Die Konsumgenossenschaften dagegen haben eine viel größere
Bedeutung erlangt: ihre Mitglieder zählen nach Millionen und bilden
in einigen Städten Englands, Deutschlands und der Schweiz schon die
Mehrheit der Bevölkerung. Außerdem sind sie imstande gewesen, riesige
Großhandelsgenossenschaften zu bilden, die sehr wohl binnen kurzem
eine vollständige Umwälzung in der Organisation des Handels bewirken
können, wenn man sein Urteil nicht nur auf die Höhe der erreichten
Umsatzziffern stützt, sondern auch die unter den Handeltreibenden hervor
gerufene Erregung in Betracht zieht, die in allen Ländern zur Forderung
von staatlichen Schutzmaßregeln geführt hat. Obgleich diese Gesell
schaften sich in Frankreich stark vermehrt haben, können sie hier doch
nicht entfernt die gleichen praktischen Erfolge aufweisen; -— was ihnen
am meisten fehlt, ist gerade das Solidaritätsgefühl. Dafür ist es ihnen
aber gelungen, ein soziales Erneuerungsprogramm aufzustellen, das einer i)
i) „Die Solidarität ist nur ein leeres Wort, wenn sie sich nicht auf besondere
Organisationen stützt, die sie wirksam machen. Deshalb haben die Arbeiter-Assozia
tionen den Garantismus geschaffen. . . .“
„Die reinste Kundgebung der Idee der Solidarität besteht darin, einen Teil des
von der Arbeit geschaffenen Reichtums dazu zu benutzen, das Elend wieder gut zu
wachen, das die schlechte Organisation der Arbeit verursacht und den Arbeiter und die
^einigen den schwersten Leiden aussetzt, wenn Krankheit, Alter oder Schicksalsschläge
ihn treffen.“ (Programm auf dem Umschlag der Association Ouvriere, Organ der
Woduktivgenossensehaften.)
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