Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
welche die Zunahme der Produktionskräfte überhaupt zu erringen er 
laubt . . zu ermöglichen. Er würde es ganz in der Ordnung finden, 
wenn sich etwas mehr Kommunismus in unserer Gesellschaft durchsetze. 
Man muß „die Volkswirtschaft aus der privatwirtschaftlichen mehr in die 
gemeinwirtschaftlichc Organisationsform hinüber führen“ 1 ), sagt er an 
einer Stelle, die unmittelbar von Rodbertus eingegeben scheint. Für 
ihn jedoch wie für Mill darf die Regierungstätigkeit nicht weiter gehen 
als bis zu dem Punkte, wo die Entwicklung der Individualität in Gefahr 
gerät 2 ). 
Die praktische Anwendung dieser Ideen berührt sowohl die Güter 
verteilung, wie die Gütererzeugung. Hier aber tut der Staatssozialismus 
nichts Anderes, als Ideen zu übernehmen, die lange vor ihm geäußert 
worden sind. 
Plinsichtlich der Verteilung steht er auf demselben Standpunkt, wie 
Sismondi, den man bei ihm fast vollständig wiederfindet. Keine prin 
zipielle Verurteilung des Profits oder des Zinses, wie bei den Sozialisten; 
Beibehaltung des Privateigentums als grundlegender Einrichtung; aber 
doch eine genauere Anpassung des Einkommens an das „Verdienst“ 3 ); 
Beschränkung der übertriebenen Profite, wie die „wirtschaftliche Kon 
junktur“ dies gestattet, auf ein „gerechtes Maß“; und, als Gegenstück, 
eine Erhöhung der Löhne auf ein Niveau, das eine „menschenwürdige 
Existenz“ erlaubt. Man muß sich eingestehen, daß all dies recht un 
bestimmt ist 4 ). 
*) Überall, wo möglich, müssen staatliche Produktionsunternehmungen empfohlen 
werden, „nicht nur aus jenen spezifischen Gründen, welche es etwa 
nach der Natur der einzelnen Anstalt Tätlich erscheinen lassen, sie 
zu verstaatlichen . . ., sondern aus sozialpolitischen Gründen, um so 
die Volkswirtschaft aus der privatwirtschaftlichen mehr in die gemein- 
wirtschaftliche Or^anisationsform hinüber zu führen“ (Finanzwiss. und 
Staatssoz. S. 115 s. o: S. 481, Anm. 2). 
2 ) Dupont-White ist, wie Wagner, Individualist, — was beweist, daß man In 
dividualist sein kann, ohne deshalb liberal sein zu müssen. „Der Verfasser des Essay 
on Liberty (sagt er in seinem Vorwort zu derfranz. Übers, dieses Buches, S. LXXXlX) 
hat ein lebhaftes Gefühl für den Individualismus, das ich in jeder Hinsicht teile, ohne 
mich aber gleich ihm über die Zukunft dieses unveränderlichen Bestandteils zu sorgen . • ■ 
Der Individualismus ist das Leben . . . Aus diesem Grunde ist der Individualismus 
unvergänglich.“ 
3 ) Vgl. z. B. Schmoller, Offenes Sendschreiben an H. v. Treitschke (1874—1875), 
Lpg. 1898. Gegen den Einwurf, daß auf Grund dieses Prinzipes die Zivilliste Ger 
Herrscher zu verurteilen sei, antwortet Schmoller: „daß er vom Durchschnitt der 
Menschen spricht, und der Durchschnitt der Hohenzollern wenigstens war und ist so, 
daß ihr Einkommen mir durchaus nicht zu groß gegenüber ihrem Verdienst erscheint^ 
(S. 82). Würde dieses Argument außerhalb Deutschlands als zwingend erscheinen- 
Wir bezweifeln es. Vielleicht wird es sogar im Jahre 1919 in Deutschland selbst nicht 
mehr ebenso zwingend erscheinen wie im Jahre 1875. 
*) Wagner sieht den Einwurf der Willkür voraus. „Sie ist“, sagt er, „formet
	        
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