Kapitel II. Adam Smith.
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er besonderen Wert auf die Notwendigkeit, den Elementarunterricht
(der in Lesen, Schreiben und Rechnen besteht) 1 ) dem Volke durch die
Errichtung von teilweise auf Staatskosten unterhaltenen Elementar
schulen zu erleichtern und „sogar aufzuzwingen“. Man bemerke hier
diesen Verstoß gegen sein eigenes Prinzip der Nichteinmischung des
Staates! Wir werden weiterhin sehen, daß er nicht der einzige geblieben ist.
Um seine Ausführungen betreffs der Arbeitsteilung zu vervollstän
digen, bezeichnet Smith endlich die Grenzen, an denen sie Halt machen
muß. Er erwähnt zwei: Erstens die Ausdehnung des Marktes: „Wenn
der Markt sehr beschränkt ist, so kann niemand sich ermutigt finden, sich
einer einzigen Beschäftigung ganz hinzugeben, weil es an der Möglichkeit
fehlt, jenen ganzen Produktenüberschuß seiner Arbeit, der weit über
seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche Produkte der Arbeit
Anderer, die er gerade braucht, auszutauschen“ 2 ). Deshalb begünstigt
der Handel mit den Kolonien und mit dem Auslande, der den Markt der
Nationalindustrie vergrößert, die Arbeitsteilung und vermehrt den Reich
tum. — Der andere Umstand, der nach Smith die Arbeitsteilung begrenzt,
ist die vorherige Kapitalansammlung 8 ). Diese Bemerkung ist aber viel
weniger genau als die vorhergehende. Smith scheint hier von einer ein
zelnen Unternehmung auf die Gesamtheit der Gesellschaft geschlossen
zu haben. Wenn es wahr ist, daß ein Fabrikant in seiner Fabrik die tech
nische Arbeitsteilung um so höher vervollkommnen kann, je größer seine
Ka pitalkraft ist, so ist es umgekehrt klar, daß in der Gesamtheit der
Gesellschaft gerade die Arbeitsteilung jeder einzelnen Person eine vorher
gehende Ansammlung von Kapitalien erspart, die sie haben müßte, um,
w enn sie allein lebte, die gleiche Arbeit auszuführen 4 ).
Dies ist in ihren Hauptzügen die Theorie der Arbeitsteilung von
A. Smith, eine Theorie, die heute jedem so bekannt ist, daß wir oft Mühe
haben, ihre Bedeutung und Originalität zu erfassen, obgleich sie von
gewissen Soziologen (Dürkheim) zu dem Rang einer Grundlage der Moral
') „Mit ci.™ sehr goingen A»i».nde
großen Volksklasse die Erlernung dieser wesen • ^ unerlä ßi; c hen Bedingung
leichtern, kann sie dazu ermuntern und kann sie ihrg K j Tei] 3_ 5 2.
machen“ (Lesen, Schreiben und Rechnen), 11, b. tu, o. , r
2 ) I, S. 10, B. I, Kap. III „ + „,<n>mäß der Arbeitsteilung vorhergehen
3 ) „Wie die Aufhäufung des Vorrates naturg ^ uml mehr gete ilt werden, als
muß, so kann auch die Arbeit nur in e g Einl.). An einer anderen
vorher Vorrat aufgesammelt worden ist (I, b. , _■ ^ in cjner Industrie zur
Stelle bemerkt er allerdings, daß die M ^ e d *. Arbe it abhängt, welche darin
SfTe H ng f gela ," g n Ä B I Kap X Teil 2), aber diese Bemerkung bleibt ver-
4 ) Vgl. die eingehende Kritik dieses Gedankens Smiths von Cannan, op. et.
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