Full text : Die Frau und die Arbeit

das  Leben  der  Menschheit  auf  Erden  erhalten  und  seine
spätere  Entwicklung  ermöglicht  haben;  und  arg  müßte  der
Flitterglanz  des  Lebens  den  geblendet  haben,  der  nicht  mit
Ehrfurcht  auf  diese  Gestalt  blickte  und  nicht  im  Geist  das
Haupt  beugte  vor  diesem  Typus  der  schwer  arbeitenden
Frau,  die  Leben  auf  gebaut  hat.
Was  nun  aber,  wenn  in  künftigen  Zeiten  nie  mehr  ein
Mann  sich  mit  derselben  Ehrfurcht  vor  solch  einer  Arbeitsgewaltigen ­
  der  Erde,  die  zugleich  Frau  und  Mutter  wäre,
wird  beugen  können?  Was  dann,  wenn  die  Frau,  die  ihre
Mutterschaft  mit  der  endlosesten  körperlichen  Arbeit  zu
vereinen  wußte,  schlaff  und  hilflos  würde,  sobald  es  sich
um  geistige  Arbeit  handelt  ?  Wie,  wenn  sie  trotz  aller  Anstrengung ­
  in  Zukunft  nichts  mehr  sein  könnte,  als  das  am
Sofa  liegende,  verhätschelte,  in  seinem  Seidenfell  zitternde
Schoßhündchen  der  Menschheit  ?  Wie,  wenn  es  bestimmt
sein  sollte,  daß  den  Frauen  trotz  ihres  ernsten  Strebensund
ihrer  entschlossensten  Anstrengungen  in  der  neuerstehenden ­
  Welt  infolge  ihrer  geistigen  Unfähigkeit  nur  Mißerfolg
beschieden  wäre  ?
Es  ließe  sich  auf  diesen  Einwand  erwidern:  Oft  schon  ist
mit  Recht  gesagt  worden,  daß  die  üblichen  Beschäftigungen
der  Frau,  zu  allen  Zeiten  und  in  allen  Gesellschaftsklassen,  in
denen  sie  nicht  parasitisch  war,  nicht  nur  physische,  sondern ­
  auch  vielseitige  geistige  Fähigkeiten  erforderten,  daß
die  Edelfrau  des  Mittelalters,  die  ihren  großen  Haushalt
leitete,  dazu  wahrscheinlich  mehr  Intelligenz  brauchte  als  ihr
Gatte  zu  Jagd  und  Kampf,  daß  heute  die  Frau  eines  Buchhalters ­
  oder  Konzeptbeamten  vielleicht  mehr  Verstand,  Gedanken, ­
  Umsicht  und  Gedächtnis  zur  Wirtschaftsführung  in
ihrem  kleinen  Haushalt  aufwenden  muß  als  der  Mann  bei
seiner  weit  einfacheren,  einförmigen  Rechenarbeit,  daß
ebenso  wie  der  Schneider  oder  Schuster  zu  seinem  Berufe
nicht  weniger  Intelligenz  braucht,  als  der  Soldat  oder  Preisfechter, ­
  die  Frauen  der  Vergangenheit  in  der  Mehrzahl

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