Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Mitglied des. Bundesvorstandes vom All gemeinen 
Deutschen Gewerkschaftsbund, Jaeckel, 
auf dem Breslauer Gewerkschafts-Kongreß 
m Jahre 1925 formulierte, „durch gesteigerte politische 
und intellektuelle Macht der Arbeiterklasse die letzten 
Fesseln zu sprengen“, 
Gemeinwirtschaftliche Experimente in der 
Vergangenheit. 
Universitätsprofessor Dr. Preyaer, M. d. R.. Königsberg. 
Die „Wirtschaftsdemnkratie“, wie sie in 
Deutschland von den Gewerkschaften und der größten po- 
litischen Partei propagiert wird, erscheint nicht als Selbst- 
zweck, sondern wird bewußt nur ‚als Vorstufe zur 
Schaffung des sozialistischen Staates betrachtet. 
Um aber harmlose Gemüter nicht zu erschrecken, zieht 
man häufig den farblosen Ausdruck „Gemeinwirtschaft“ 
vor. Obwohl man den täglich sich verstärkenden Miß- 
erfolg des grandiosesten Experiments nach dieser Richtung: 
des Versuchs des staats-sozialistischen Aufbaus der russi- 
schen Volkswirtschaft, dauernd vor Augen hat, läßt ınan 
von diesem Gedanken nicht los, Die Russen sind Sich ihrer 
Mißerfolge durchaus bewußt; trotzdem versuchen sie mit 
allen Kräften die „gemeinwirtschaftliche“ Tendenz zu ver- 
stärken, In keinem Volke ist so wie bei ihnen die Neigung 
vorhanden, durch nichts bewiesene theoretische Dogmen 
bis zur äußersten Konsequenz in die Wirklichkeit umzu- 
setzen, Srrichwörtlich „die Leine auslaufen zu lassen“, ohne 
sich irgendwie um geschichtliche Erfahrungen zu kümmern. 
Dabei liegen eine Reihe von Versuchen gemeinwirtschaft- 
licher Art. bei den verschiedensten Völkern und zu den 
verschiedensten Zeiten vor. 
Es ist ungemein reizvoll, diese Experimente, die 
ausnahmslos fehlgeschlagen 
sind, zu studieren, schon aus dem Grunde, um aus ihnen 
Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen, obwohl 
dekanntlich die Völker aus der Geschichte nichts lernen 
wollen, Leider ist es in dem eng begrenzten Rahmen eines 
Zeitungsartikels nicht möglich, diese Frage so zu vertiefen, 
wie sie es nach ihrer Bedeutung verdiente. Immerhin kann 
auch ein flüchtiger Ueberblick lehrreich sein, der sich nur 
mit den Versuchen beschälftigen soll, gemeinwirtschaitliche 
Lehren in die Praxis zu übertragen, die verschiedenen 
Theorien dagegen nicht behandelt, 
Während es in der klassischen Antike in Rom 
zu überhaupt keinen Kundgebungen für eine Gemeinwirt- 
schaft kam, was der eminent praktische nüchterne Sinn 
des Römers und sein ausgeprägt privatwirtschaftlicher Er- 
werbsgeist von vornherein unmöglich machten, finden wir 
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