fullscreen : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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V.  Tlieil.  Statistik  tier  Sterblichkeitsverhältnisse.

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gutachtung  der  Anträge  betrauten  Organe  bei  der  Bank  allmählich ­
  Platz  gegriffen  haben  wird,  und  welche  auf  die  Sterblichkeit ­
  nicht  ohne  Einfluss  bleiben  konnte,  zu  suchen.  In
der  letzteren  Beziehung  ist  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass
in  der  früheren  Periode  die  Bank  das  Institut  der  Vertrauensoder ­
  Agentur-Aerzte  noch  nicht  kannte,  und  sich  mit  gutachtlichen ­
  Aeusserungen  der  Hausärzte  begnügte,  welche  nicht
durchweg  auf  sorgfältiger  ad  hoc  vorgenommener  physikalischer
Untersuchung  beruhten.  Erst  in  den  Vierziger  Jahren  wurden
an  einigen  wenigen  Agenturplätzen  Agentur-Aerzte  angestellt;
erst  zu  Anfang  der  Sechziger  Jahre  gelangte  der  Grundsatz
zur  Durchführung,  dass  jeder  Agentur  auch  ein  Vertrauensarzt
zur  Seite  stehen  müsse.  Was  die  Männer  anbetrifft,  so  ist  es
zweifelhaft,  welcher  der  vorgedachten  Ursachen  der  grösste
Einfluss  auf  die  wirklich  beobachtete  Sterblichkeit  zuzuschreiben
ist;  denn  die  auf  die  Männer  bezüglichen  Differenzen  bewegen
sich  noch  innerhalb  solcher  Grenzen,  dass  schon  die  eine  oder
die  andere  die  Resultate  genügend  erklären  könnte.
Ganz  anders  liegt  die  Sache  bei  den  Frauen;  hier  muss
unbedingt  angenommen  werden,  dass  die  sorgfältigere  Prüfung
den  grössten  Antheil  an  dem  beobachteten  Rückgang  hat;  denn
der  letztere  ist  so  gross  und  so  viel  grösser,  als  der  bei  den
Männern  beobachtete,  dass  man  ihn  einer  blosen  Aenderung
der  Gesundheitsverhältnisse,  welche  in  der  Sterblichkeit  der
beiden  Geschlechter  sich  offenbar  ziemlich  gleichmäsig  äussern
müsste,  nicht  wohl  zuschreiben  kann.  Die  Zahlen  der  obigen
Tafel  bestätigen  also  die  schon  in  dem  vorigen  Kapitel  aufgestellte ­
  und  auf  einem  ganz  anderen  W  ege  begründete  Behauptung, ­
  dass  die  hohe  Sterblichkeit  der  Frauen  innerhalb  der
jüngeren  Altersklassen  theilweise  von  der  ungenügenden  Auswahl ­
  derselben  herrührt,  deuten  aber  auch  gleichzeitig  an,  dass
die  Auswahl  in  neuerer  Zeit  eine  wesentlich  sorgfältigere  geworden ­
  ist.
Mit  den  oben  mitgetheilten  Zahlen  die  entsprechenden
Erfahrungen  der  17  englischen  und  20  englischen  Gesellschaften,
welche  zwar  theilweise  verschiedenen  Beobachtungskreisen  und
auch  nur  theilweise  dem  gleichen  Zeitraum  an  gehören,  sich  im
Durchschnitt  aber  doch  auf  weiter  auseinander  liegende  Geschäftsperioden ­
  beziehen,  zu  vergleichen,  wird  nicht  ohne  Interesse
sein.  (Die  Beobachtungen  der  17  englischen  Gesellschaften
reichen  bis  etwa  1841,  während  die  der  20  englischen  Gesellschaften ­
  mit  dem  31.  December  1863  abschliessen.)

Tabelle  3.
Sterblichkeit  nach  englischen  Gesellschaftsbeobachtungen,
  welche  sich  theilweise  auf
verschiedene  Zeiträume  beziehen.

Altersklasse ­


20—24
25—29
30—34
35—39
40—44
45—49
50-54
55-59
60—64
65—69
70—74

Sterblichkeits  -Procentsätze

7  engl.  Gesellschaften  |  20  engl.  Gesellschaften

0,75
0,80
0,88
O.97
1,10
1,3«
1,80
2,48
3,»:
5-14
7-51

£  •-=2,01


1,35
1.58
1.59
1.46
1,69
1,85
2.61
2.94
4,82
6.89

Der  Procentsatz  nach  den
20  engl.  Gesellschaften  ist
niedriger(-  )  od.  höher(+)

0,71
0,73
0.85
0,97
1.09
1.36
1-72
2.35
3:38
4-90
7-23

0,85
1,18
1.13
1,21
1.29
I.39
1,57
2,02
2.86
4-37
6,84

0,04
•  0,07
0,03
O.00
■  0.01
O  00
■  0,08
0,13
0,14
0.2*
0.31

1,16
0,17
0,43
0,38
0,17
O.30
—  0,28
0,59
0,08
O.45
0,05

Hingesehen  auf  die  Männersterblichkeit  sind  die  Differenzen
hier  sehr  gering,  fallen  alter  fast  durchgängig  zu  Gunsten  der
neuen  Beobachtungen  aus;  ebenso  entsprechen  die  Differenzen
der  Frauensterblichkeit  der  beiden  Listen  im  Grossen  und
Ganzen  den  Resultaten  der  obigen  Tabellen  mit  dem  Unterschiede ­
  ,  dass  dieselben  grösstentheils  kleiner  erscheinen,  wasvielleicht
  nur  darauf  zurückzuführen  ist,  dass  die  Beobachtungen
der  20  englischen  Gesellschaften  auch  solche  umfassen,  welche
in  denen  der  17  englischen  Gesellschaften  enthalten  sind  oder
sich  wenigstens  auf  denselben  Zeitraum  beziehen.  Im  Allgemeinen ­
  lassen  die  englischen  Zahlen  also  dieselben  Schlüsse
zu,  wie  die  der  Gothaer  Bank;  auch  sie  weisen  darauf  hin,
dass  ursprünglich  eine  weniger  wirksame  Auswahl  der  weiblichen ­
  Risicen  stattgefunden  hat,  welche  mit  der  besseren
Kenntniss  der  Frauensterblichkeit  alsbald  einer  sorgfältigeren
Prüfung  gewichen  ist.
Vergleicht  man  nun  noch  die  Sterblichkeitsprocenisätze  der
beiden  Tabellen  1  und  2,  welche  den  gleichen  Geschäftsperioden
angehören,  aber  für  verschiedene  Geschlechter  valediren,  mit  einander, ­
  so  ergiebt  sich  das  bemerkenswerthe  Resultat,  dass  sowohl
für  1829—59  als  für  1859—78  die  Sterblichkeit  der  Frauen  in
den  jüngeren  Altersklassen  sich  grösser,  in  den  höheren  dagegen ­
  kleiner  zeigte,  als  die  der  Männer,  und  zwar  fällt,  wenn
man  von  einigen  wohl  hauptsächlich  von  ungenügenden  Beobachtungszahlen ­
  herrührenden  Schwankungen  absieht,  der
Kreuzungspunkt  für  die  Sterblichkeit  der  beiden  Geschlechter
in  der  früheren  Geschäftsperiode  etwa  zwischen  die  Alter  50
:  und  51  (zwischen  die  Altersklassen  46—50  und  51—55),  in  der
letzteren  Geschäftsperiode  dagegen  zwischen  die  Alter  45  und  46.
Der  enorme  zeitliche  Rückgang  in  der  Frauensterhlichkeit  hat
also  nicht  vermocht,  das  in  den  Gesammtbeobachtungen  der
Bank  sich  abspiegelnde  Verhältnis  der  beiden  Sterblichkeitscurven
  völlig  umzukehren  ;  er  hat  es  für  die  Frauen  nur
günstiger  gestaltet,  indem  erstlich  die  absolute  Höhe  der  Differenzen ­
  zwischen  der  Sterblichkeit  der  beiden  Geschlechter
bedeutend  verringert  und  zweitens  der  erwähnte  Kreuzungspunkt
auf  ein  niedrigeres  Alter  verlegt  wurde.  Es  dürfte  hierin
wiederum  ein  Beweis  dafür  zu  suchen  sein,  dass  die  ungünstigere
Sterblichkeit  der  Frauen  in  den  jüngeren  Altersklassen  nicht
ausschliesslich  einer  weniger  sorgfältigen  Auswahl  zuzuschreiben,
sondern  theilweise  auch  in  einer  anderen  rein  natürlichen  Ursache ­
  begründet  ist,  über  deren  Natur  schon  oben  eine  Mutlimaasung
  ausgesprochen  wurde.
Zum  Schlüsse  mag  noch  auf  das  Verhältnis  aufmerksam
gemacht  werden,  in  welchem  die  Sterblichkeitsprocentsätze  der
einzelnen  Geschäftsperioden  zu  den  für  die  ganze  Geschäftsdauer ­
  der  Bank  erlangten  Sterblichkeitsprocentsätzen  stehen.
Wie  es  sich  von  selbst  versteht,  liegen  die  Procentsätze  der
Periode  1829—78  durchgängig  zwischen  denjenigen  der  Perioden ­
  1829  —  59  und  1859—78.  Während  aber  die  in  der
Tabelle  2  (Frauen)  für  1829—78  aufgeführten  Sätze  so  ziemlich ­
  die  Mitte  zwischen  den  entsprechenden  für  1829—59
und  1859—78  einnehmen,  neigen  die  in  der  Tabelle  1
(Männer)  für  die  gesammte  Geschäftsdauer  der  Bank  angegebenen ­
  sich  sehr  stark  den  Zahlen  der  letzten  Geschäftsperiode
von  1859—78  zu,  so  dass  die  Differenzen  zwischen  diesen
Sätzen  im  Ganzen  genommen  etwa  nur  ein  Viertel  von  denjenigen ­
  betragen,  welche  zwischen  den  Sätzen  für  1829—59
und  1859—78  bestehen  und  in  der  Differenzencolumne  jener
Tabelle  eingetragen  sind.  Es  ist  dies  eine  einfache  Folge  der
I  Art  der  Vertheilung  der  »Lebenden  unter  Risico«  über  die
beiden  Geschäftsperioden  ;  bei  den  Männern  liegt  der  Schwerpunkt ­
  der  Beobachtungszahlen  in  der  zweiten  Beobachtungsperiode ­
  ;  bei  den  Frauen  dagegen,  welche  in  den  späteren
Jahren  einen  relativ  geringeren  Zugang  aufweisen,  vertheilen
            
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