12 Schreiner, Die Frau
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Verkehr und persönlicher Freundschaft und Neigung ver
bindet, als die zentrifugalen Kräfte der Berufseifersüchte
leien sie zu trennen vermögen.
Daß dieselben Bedingungen herrschend würden, sobald
Frauen die Arbeitsgefährten des Mannes wären, läßt sich
theoretisch folgern, und die praktische Erfahrung bestätigt
es. Der Schauspieler heiratet meistens eine Schauspielerin,
der Musiker eine Musikerin; im Empfangszimmer der
Schriftstellerin oder Malerin findet man immer Männer
ihres Berufes; der weibliche Arzt ist in fortwährendem Ver
kehr mit seinen männlichen Kollegen und heiratet oft einen
von ihnen. Und je größer die Zahl der Frauen wird, die
die bisher dem Manne allein gehörigen Arbeitsfelder mit
ihm teilen, um so klarer wird sich die Natur und Stärke der
aus gemeinsamer Arbeit erwachsenden Sympathie er
weisen.
Die Teilnahme von Männern und Frauen an gleicher Ar
beit, welche gemeinsame Bildung und damit gemeinsame
Denkgewohnheiten und Interessen erfordert, würde dahin
führen, die gefährliche Kluft auszufüllen, die so oft im
modernen Eheleben entsteht, die, sobald die erste Glut
sinnlicher, nur durch den Reiz des Unbekannten entfachter
Leidenschaft zu verblassen beginnt, Mann und Frau trennt,
und aus der ein so großer Teil der modernen Ehetragödien
entspringt. Der primitive Mann konnte mit seiner Frau
über seinen Jagdgewinn und ihre Ausbeute an Wurzeln
und Kräutern sprechen, so wie heute der einfache Bauer
mit seinem Weib über die Ernte und das Vieh spricht, wo
von beide etwas verstehen und woran beide gleich inter
essiert sind; es liegt nichts in ihrer Lebensweise, was ge
eignet wäre, ihre Denkweise und Interessen voneinander zu
scheiden.
Im modernen Leben aber, erzeugt vielfach der völlige
Mangel an gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Jnter-
essen und die große Verschiedenheit des Lebens, das Mann