Full text : Die Frau und die Arbeit

EUGEN  DIEDERICHS  VERLAG  IN  JENA

ROSA  MAYREDER,  ZUR  KRITIK  DER  WEIBLICHKEIT. ­
  3.  Aufl.  br.  M  5.—,  Lwd.  geb.  M  6.—
Inhalt:  Mutterschaft  und  Kultur  /  Die  Tyrannei  der  Norm  /  Von  der  Männlichkeit ­
  /  Das  Weib  als  Dame  /  Frauen  und  Frauentypen  /  Familienliteratur  /
Der  Kanon  der  schönen  Weiblichkeit  /  Einiges  über  die  starke  Faust  /  Das
subjektive  Geschlechtsidol  /  Perspektiven  der  Individualität.
Die  Propyläen:  Rosa  Mayreder  hätte  ihr  Buch  mit  ebenso  großem  Recht
„Zur  Kritik  der  Männlichkeit“  nennen  können.  Der  gewöhnliche  Begriff
der  Männlichkeit  ist  Aktivität,  wie  man  gewöhnlich  die  Weiblichkeit  als
Passivität  faßt.  Aber  diese  absolute  Aktivität  wird  durch  die  Kultur  verwandelt ­
  und  gebunden.  Der  Macht  aus  körperlicher  Überlegenheit  tritt
immer  mehr  die  Macht  aus  geistiger  Überlegenheit  zur  Seite.  Die  höheren ­
  Vertreter  der  Männlichkeit  leiden  aber  heute  noch  unter  einem  großen
Zwiespalt:  sie  vermögen  noch  nicht  das  Leben  nach  den  Konsequenzen
ihrer  Wesenheit  neu  zu  gestalten,  infolge  der  unsinnigen  und  verlogenen
Stellung,  welche  die  modernen  Kulturvölker  den  geschlechtlichen
Dingen  gegenüber  einnehmen.  Wenn  die  höhere  Männlichkeit  in  der
Entfaltung  und  Steigerung  des  geistigen  Vermögens  besteht,  in  der  Macht
aus  geistiger  Überlegenheit,  so  müßte  sie  sich  vor  dem  gewöhnlichen
Mannestum  zu  allererst  hier  unterscheiden.  Denn  hier,  in  der  Überwindung
eines  die  Persönlichkeit  unterjochenden  Triebes,  liegt  der  Ursprung  und
das  Mittel  aller  Vergeistigung.  So  bleibt  nur  die  Hoffnung,  daß  der  Mann
durch  das  Eintreten  der  Frau  als  soziale  Mitarbeiterin  über  diesen ­
  Notstand  Herr  wird.  Der  Mann  der  Geistigkeit  wird  dann  erst  eine  harmonische ­
  und  machtvolle  Erscheinung  werden,  wenn  die  Konsequenzen
der  Verfeinerung  sich  auch  in  seiner  sexuellen  Persönlichkeit  vollziehen.
Turmhoch  über  der  gewöhnlichen  Frauenliteratur  steht  dieses  Buch  durch
die  Freiheit  und  Vorurteilslosigkeit  auch  dem  Manne  gegenüber,  und  diese
Feinheit  und  Klarheit  bei  so  subtilen  Gedankengängen  war  weiblichen  Denkern ­
  noch  nicht  so  häufig  eigen  —  oder  wenn  die  Anlage  vorhanden  war,  hat  sie
sich  früher  nicht  so  sicher  und  erfolgreich  entwickeln  können  wie  hier.
ROSA  MAYREDER,  ZWISCHEN  HIMMEL  UND
ERDE.  Sonette,  br.  M  3.—,  Lwd.  geb.  M  4.50
Die  Frau:  Vielfältiger,  tiefer,  bewußter  ihres  seelischen  Besitzes  zeigen  all
diese  Verse  das  weibliche  Seelenleben,  als  künstlerische  und  persönliche
Dokumente  früherer  Zeit  es  zeigten.  Enger  scheint  das  spezifisch  frauliche
Empfinden  verknüpft  mit  dem,  was  die  Seele  des  modernen  Mannes  bewegt.
Ein  ganzes  Buch  voller  Liebessonette  handelt  von  den  Täuschungen  des
Eros  im  Sinne  jener  skeptischen  Erfahrung  über  die  unerlösbare  Einsamkeit
der  Seele,  die  so  viele  moderne  Dichter  beklagt  haben.  Hier  ist  das  alles
vom  Standpunkt  der  weiblichen  Seele  aus  gesehen.  Gesehen  und  durchgedacht ­
  —  und  dann  in  Sonettenform  ausgesprochen.
            
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