Zi Dr. Felix Kuh:
zu bringen, daß er, ein kleines Rädchen am großen Getriebe, doch eben
ein nützliches und unentbehrliches Mitglied der Volksgemeinschaft, der
ganzen menschlichen Gesellschaft ist.
Und nunmehr stehen wir vor der vierten, vor der größten Auf-
gabe, die der wirtschaftlichen Entwicklung gestellt ist. Die Wirtschaft
soll den festen Unterbau liefern, auf dem sich die Macht und
Größe des Staates erhebt. Wir haben es eben durchgemacht,
welche Rolle den wirtschaftlichen Voraussetzungen zukommt, damit
sich ein Volk im Wettstreit der Nationen behaupten kann, Ob Hand-
werk oder Handel, Landwirtschaft oder Industrie, jedermann muß auf
seinem Posten sein, wenn die allgemeine Wohlfahrt gedeihen, der Staat
sein Recht und sein Dasein behaupten soll. Es ist ungerechte Ver-
leumdung, wenn bisweilen der Vorwurf erhoben wird, die wirtschaft-
liche Entwicklung habe dahin geführt, daß der Staat zum Sklaven der
Wirtschaft erniedrigt worden sei. Man hat von einer wirtschaftlichen
Nebenregierung gesprochen und gewisse Kreise bezichtigt, sie ver-
kauften um ihres persönlichen Interesses willen das Staatswohl, sie
handelten gegen das Volksinteresse, um ihren Geldbeutel zu füllen,
Mag sein, daß die wirtschaftliche Entwicklung, die sich bisweilen zu
gern dem Internationalismus ergibt, mag sein, daß überhaupt diese
Entwicklung, die den Weltmarkt und Weltverkehr erzeugt hat,
ein wenig dazu neigt, dem Kosmopolitentum weitgehende Konzessionen
zu machen — das eine wollen wir mit voller Überzeugung festhalten:
eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung führt nicht vom nationalen
Interesse hinweg, sondern sucht im Gegenteil ihre Wurzeln recht tief
und fest in den heimatlichen Boden zu versenken, weil dieser, wie alle
geschichtliche Erfahrung lehrt, allein die sichere Basis bildet, auf die
sich eine politische Macht stützen kann, eine Macht, die ihrerseits
wiederum imstande ist, der gewerblichen Entwicklung neue Kraft und
Ausdehnungsfähigkeit zu verleihen, Aus dieser Überlegung heraus
soll der einzelne Gewerbetreibende sich wirklich als ein „politisches
Wesen“ fühlen. Er soll es nicht für verlorene Zeit und Mühe halten,
wenn er städtische und staatliche Ehrenämter übernimmt und sich an
der Durcharbeitung großer politischer Aufgaben beteiligt. Noch ist
die Zahl der Gewerbetreibenden, die einen Sitz im Parlament haben,
viel zu gering, und man kann es mit Spahn und anderen für
wünschenswert halten, daß überhaupt einmal eine berufsständische
Volksvertretung die alten, vielleicht überlebten Parteien ablöst, womit
dann die gewerbliche Entwicklung ihren höchsten Zweck, nämlich die
gleichberechtigte Leitung der Staatsgeschäfte, erlangt haben würde.
Vom Kleinsten bis zum Größten führt uns die Reihe der Aufgaben,
die der wirtschaftlichen Entwicklung in Hinblick auf die Förderung der