Vorwort zur ersten Ausgabe.
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nach Familien auf Grund des Grades ihrer inneren Verwandtschaft
geordnet haben, und indem wir sie gemäß der historischen Folge
ihres Auftretens zusammenfaßten. Doch haben wir sie nicht immer
nach ihrem Entstehungsdatum klassifiziert, sondern nach dem ihrer
Reife. In der Entwicklung einer Doktrin gibt es stets einen Höhe
punkt: diese Höhepunkte haben wir uns festzulegen bemüht, indem
wir jedem von ihnen ein Sonderkapitel widmeten. Übrigens haben
wir uns nicht gescheut, der chronologischen Ordnung überall dort
vorzugreifen, wo die Klarheit der Darstellung das zu fordern schien.
1. Epoche: Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Die
Begründer der klassischen Volkswirtschaft; zunächst die Physio-
kraten, Adam Smith und J.-B. Say, und dann die Autoren, die durch
beunruhigende Prophezeiungen das grandiose Bild der natürlichen
Ordnung verdüsterten: Malthus und Ricardo.
2. Epoche; die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Gegner:
alle diejenigen, die die von ihren Vorgängern aufgestellten Prinzipien
angegriffen und erschüttert haben, und die wir in fünf Kapiteln um
Sismondi, Saint-Simon, die Assozialisten, Puoudhon und List
gruppiert haben.
3. Epoche: die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Höhepunkt
der liberalen Schule, die bis dahin den Angriffen siegreich
widerstanden hat, auch wenn sie sich zu einigen Konzessionen ver
stehen mußte, und deren große Gesetze ihre endgültige Fassung zur
gleichen Zeit, wenn auch in zwei recht verschiedenen Gestalten,
fanden; in England in den Principles Stuart Mill’s, in Frank
reich in den Harmonies Bastiat’s.
4. Epoche: die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Ab
trünnigen des Liberalismus, die nach vier verschiedenen Richtungen
hin Schismen hervorrufen: — in der Methode, durch die historische
Schule; — in der Sozialpolitik, durch den Staatssozialismus; — in
der wissenschaftlichen Auffassung, durch den Marxismus; — in der
ethischen Grundlegung, durch den christlichen Sozialismus.
5. Epoche: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die
neuzeitlichen Lehren, in denen wir schon bekannte Doktrinen,
in neuen Formen, fortgebildet oder entstellt, wie man will, wieder
finden werden: — die hedonistischen Doktrinen und die Theorien
über die Bodenrente, die nur eine Art von Revision der klassischen
Lehren sind; — der Solidarismus, der eine Brücke zwischen dem
Individualismus und dem Sozialismus schlägt; — und endlich der
Anarchismus, der nur eine Art von zur Verzweiflung getriebener
Liberalismus ist.
Diese Aufeinanderfolge bedeutet keineswegs, daß jede vorher
gehende Doktrin von der auf sie folgenden beseitigt oder verdeckt