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unter 14 Jahren bereit gänzlicher Ausschluß geboten. (Die Unterbrechungen der Arbeits
bauer burch Zwischenpausen sinb nur ba wUnschbar, wo bie Jnnchaltung berselben leicht
constatirt unb gesichert werben kann.)
Bezüglich der weiblichen Arbeiter forderte Medicinalrath Dr.
Koettnitz in Greiz in seinem Referat für die 58. Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte in Straßburg Ausschluß
der Mädchen bis zum 18. Lebensjahre aus den Fabriken. Die
hygienische Section der Grazer Naturforscher-Versammlung wollte be
reits im Jahre 1876 die Arbeitszeit für Personen von 16 bis 18
Jahren ans höchstens acht Stunden täglich beschränkt wissen und
erachtete selbst für junge Leute von 14 bis 16 Jahren eine Arbeitszeit von
sechs Stunden (bei drei Stunden Unterricht) für normal (oír. „Deutsche
Vierteljahrsschrift für Gesundheitspflege". Jahrgang 1875. S. 303 ff.,.
1878 S. 137 ff. und 1886 Heft 1).
Schlimmer als die Gefahren für die Gesundheit sind die sittlichen
Gefahren. Der Verkehr der verschiedenen Lebensalter und Geschlechter,
der Mangel an Aufsicht in der Fabrik wie auf dem Hin- und Rück
wege; der Verdienst, welcher schon früh das Gefühl der Unabhängigkeit
weckt und zu leichtsinnigen Ausgaben verlockt . . . sind um so größere
Gefahren, als das böse Beispiel, die lockern Reden und die Verführung
der ältern Arbeitsgenossen den Funken des Bösen so leicht anfachen.
Der Hauch der Unschuld und Naivetät der Kindheit geht in den Fa
briken verloren und — nur zu oft tragen die Fabrikkinder das Ver
derben hinaus unter Schul- und Spielgenossen.
Wie die Fabrikbeschäftigung auf die jugendlichen Arbeiter einwirkt,
davon gibt z. B. der Fabrik-Jnspector für Zwickau (wo ja auch ca.
2000 Kinder in Fabriken beschäftig^ sind) in seinen „Amtlichen Mit-
theilungen" (pro 1883) folgende erschreckende Schilderung: „Ueber-
hebung gegenüber ältern Personen und Eltern, Rohheit im öffent
lichen Auftreten, Unzufriedenheit mit dem gewählten Berufe, gemeine
Genußsucht, sowie die Befriedigung derselben im Wirthshause und
durch Belustigungen scheinen immer mehr um sich zu greifen und
hierbei, wie überall, ein Jagen nach Abwechselungen und Vergnügungen,
sowie frühzeitiger, über die Jahre hinausgehender Lebens
genuß an der Tagesordnung zu sein." Sollten nicht wenigstens die
schulpflichtigen Kinder vor dieser sittlichen Atmosphäre möglichst lange
bewahrt werden?!
Endlich kommt auch der Schulunterricht und die Erziehung
neben der Fabrikbeschäftigung nothwendig zu kurz:
„Das Kinb verbraucht seine Kraft unb Aufmerksam kett in ber Fa
brik, es kommt matt, wenigstens nicht frisch zur Schule, bettn nicht selten hat es bereits