Full text: Die Frau und die Arbeit

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zutage darauf bestehen würde, ihr Kind ganz allein zu er 
ziehen, würde es in neun Fällen von zehn unverbesserlich 
schädigen, weil sie dazu unfähig ist. 
Aber womöglich noch tiefer und einschneidender haben 
die Veränderungen der modernen Zivilisation unser altes 
Leistungsgebiet in einer andern Richtung ergriffen — in 
jenem Teil menschlichen Schaffens, das unser besonderes 
und ureigenstes ist und uns niemals ganz genommen wer 
den kann. Hier ist die Einschränkung größer als in irgend 
einer andern Richtung und berührt uns als Frauen am 
wesentlichsten. 
Es gab eine Zeit — und heute noch ist es so bei allen 
primitiven und wilden Völkern —, da die erste und 
wichtigste Pflicht der Frauen gegenüber der Gesellschaft 
die war, zu gebären, viel zu gebären, unablässig zu ge 
bären! Von der hinreichenden und wiederholten Erfüllung 
dieser passiven Leistung und von dem erfolgreichen Näh 
ren und Aufziehen der Jungen an der Mutterbrust hing 
nicht nur die Wohlfahrt, sondern oft auch die Existenz des 
Stammes und Volkes ab. Wo, wie es fast bei allen bar 
barischen Völkern der Fall ist, die Kindersterblichkeit 
eine hohe ist, wo die fortwährenden Unfälle durch Krieg, 
Jagd und Gewaltakte die Zahl der erwachsenen Männer 
vermindert, wo die wundärztliche Kunst noch so in den 
Kinderschuhen steckt, daß die meisten Wunden todbrin 
gend werden, wo vor allem immer wiederkehrende Pest 
und unvorhergesehene Hungersnot, vor der es kein Ent 
rinnen gab, das Volk dezimierten, war es von der höchsten 
Wichtigkeit, daß die Frau ihre schöpferische Kraft bis zur 
äußersten Grenze anstrengte, wenn das Geschlecht nicht 
auf einmal hinschwinden und aussterben sollte. „Möge der 
Leib deines Weibes nie aufhören zu gebären“, ist noch 
heute der höchste Ausdruck des Wohlwollens seitens eines 
afrikanischen Häuptlings gegenüber dem scheidenden Gast. 
Denn nicht nur das Wohl und die Stärke ihres Volkes als
	        
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