werden können, so wird diese Anpassung sich um so
schneller und schmerzloser vollziehen; für den Moment
aber bleiben die beiden Bewegungen, so ähnlich sie in
ihrem Ursprung und in vielen Methoden ihrer Entwick
lung sind, voneinander getrennt.
Das Bewußtsein der Frauen, die an der heutigen Be
wegung teilnehmen, daß ihre Bestrebungen nicht von
momentanem Vorteil für sie selbst sind und sein können,
sondern fast notwendig zu Opfern und Entsagen führen,
verleiht der Bewegung ihre besondere Note, weist ihr eine
besondere Stellung an unter der großen Menge ökonomi
scher Bewegungen und stellt sie eher in eine Linie mit
jenen großen religiösen Entwicklungen, welche in Zwischen
räumen von Jahrhunderten die Menschheit mit fortgerissen
haben, sie unwiderstehlich umwandelnd und neu gestal
tend.
Es ist die Empfindung dieser Tatsache, daß sie nicht für
sich selbst, noch auch allein für ihre Mitschwestern, son
dern zum Wohle der Menschheit als Ganzes sich dem Le
ben anzupassen suchen muß, was den meist oberflächlichen,
oft scheinbar kleinlichen Anpassungsversuchen der mo
dernen Frau eine gewisse Würde und Bedeutung verleiht.
Es ist diese tief verborgene Überzeugung, welche jede
kleine Frauenrechtlerin, die ihr Banner schwingt, aus der
Sphäre der Lächerlichkeit emporhebt und uns selbst die
leidenschaftlichen, nicht immer sehr weisen Anklagen ver
geben läßt, in denen sie die Leiden und die Nöte der Frau
als ein ihr absichtlich zugefügtes Unrecht darstellt, wäh
rend diese doch bloß unausweichliche Folgen einer jahr
hundertelangen Entwicklung sind.
Es ist dieses dunkle Bewußtsein einer großen unpersön
lichen Verpflichtung, welche selbst die Handlungsweise je
des einzelnen jungen Mädchens über die Sphäre des Ge
ringwertigen und Gleichgültigen hinaushebt, wenn es sein
luxuriöses und behagliches Heim verläßt, um es mit einer
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