Full text: Inflation und Geldentwertung

Geldwerterhöhung oder Geldentwertung? 
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bildet das einfache Rezept für die Sanierung der Finanzen, für 
die Erlösung aus der Finanznot. 
Nun ist es aber nicht so, als ob sämtliche Befürworter diese 
Wirkungen ihrer Vorschläge einfach übersähen. Freilich befinden 
sich unter den zahlreichen an das Reichsfinanzministerium gerich 
teten Eingaben, die dem Verfasser zu Gesicht gekommen sind, viele 
Autoren, die von den geld- und preispolitischen Zusammenhängen 
keine Ahnung haben und nicht einmal wissen, welche grund 
sätzliche Störungen sie für das Geldwesen des Landes vorschlagen 
bzw. vertiefen und weiterführen wollen. Andere hingegen ver 
kennen die inflationistischen Wirkungen ihrer Finanzreformen 
nicht; sie halten diese Wirkungen nur nicht für so gefährlich, daß 
damit die Vorteile, die die Papiergeldausgabe ihrer Meinung nach 
hat (keine Steuern, bares Geld für die Kriegsanleihebesitzer, 
Wiederherstellung der Valuta) aufgewogen würden. Auf das Irr 
tümliche dieser Auffassungen braucht hier nicht mehr eingegangen 
zu werden. Aber die dritte Gruppe der Befürworter der Inflations 
vorschläge ist ernster zu nehmen. Es sind die, die ganz bewußt 
die Geldentwertung in den Dienst der Sanierung der Finanzen 
stellen wollen. Nach ihrer Meinung ist es unter den wirtschaft 
lichen und politischen Umständen, wie solche sich nach dem Waffen 
stillstandsangebot entwickelt haben, so gut wie ausgeschlossen, 
daß es gelingen werde, die Haushaltsrechnungen des Reiches und 
der Einzelstaaten bei einem Bedarf von über 24 Milharden Mark 
jährlich überhaupt wieder in Ordnung zu bringen. Sie schlagen daher 
die Rückzahlung der insgesamt sich auf 200 Milliarden Mark be 
laufenden Reichs- und Staatsschulden in Papiergeld mit der vollen 
Überlegung vor, daß dann die Entwertung des Geldes Riesenfort 
schritte mache und das Reich auf einer neuen Grundlage neues 
Geld ausgeben, die Volkswirtschaft ein neues Leben beginnen 
könne. Durch die Umwandlung der Anleihen in Papiergeld sei 
das Reich seine Zinsverpflichtungen, ja Schulden los, jedermann 
habe bares Geld, die Produktion das nötige Betriebskapital und 
auf dem Wege der Geldentwertung vollziehe sich dann die Schulden 
deckung in der Verringerung der Vermögen der Einzelwirtschaften 
von selbst. Also eine Fortführung des heutigen Vorganges der 
Geldentwertung mit all den Folgeerscheinungen, unter denen wir 
schon heute leiden und später noch mehr leiden würden — zugunsten 
der Sanierung der Reichsfinanzen.
	        
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